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17. Juli 2015

Philosoph Martin Heidegger

Der gleiche Fall von Megalomanie wie bei seinem Vorbild Adolf Hitler

Zu: "Züchtung des Heideggerianers", Beitrag von Bettina Schulte (Magazin, 4. Juli):

Heideggers Promotion vom Briefe schreibenden zum "werktätigen" Antisemiten hat insofern für (angebliche) Aufregung gesorgt, da für einige Leute seltsamerweise erst die "Schwarzen Hefte" dafür gesorgt haben, dass Heidegger die höchste Stufe des erreichbaren Antisemitismus erklommen hat.

Während R. Mehring sehr kompetent, analytisch treffend und erfrischend rücksichtslos die Unperson Heidegger und dessen dubioses Umfeld ins gesellschaftliche Abseits stellt, fragt man sich, warum die Debatte über einen Faschisten und Blut-und-Boden-Ideologen bis heute geführt werden muss, ohne wirklich zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Den Antisemitismus eines Bösewichtes in private und literarische Bereiche zu trennen – dieser Versuch dürfte nicht nur sinnlos, sondern auch gefährlich sein. Ebenso gut könnte man versuchen, den Antisemitismus in physischen und metaphysischen zu differenzieren.

Für einen Nazi-Guru und Wegbereiter des Holocaust, der Philosophie als Rechtfertigung von Machtgier missbraucht, spielt es doch keine Rolle, auf welche üble Weise er diesen Weg ebnete. Seine frühe "Selbstgleichschaltung" lief parallel zu seinem irren Versuch, dem Nationalsozialismus sein politisches Weltbild aufzuzwingen und sich somit als geistigen Führer neben den politischen zu setzen. Also der gleiche Fall von Megalomanie wie der seines Vorbildes Adolf Hitler.

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Eine Aufteilung in Philosoph und Mensch Heidegger kann man versuchen, eine Differenzierung in Antisemit ersten und zweiten Grades sollte man aber eher unterlassen.

Philosoph Figal hat das einzig Richtige getan, er zog sich zurück. Und die Uni sollte aus dem so genannten Heidegger-Lehrstuhl keine abgespeckte Juniorprofessur machen, sondern sich voll und ganz von dem Antisemiten Heidegger zurückziehen. Das gesparte Geld für den Juniorprofessor könnte in ein kleines Denkmal gegen den Naziterror investiert werden, vielleicht an der neuen Bibliothek, wo auch die "Schwarzen Hefte" liegen.

Das wäre ein Weg, den "weltweit berühmten Standort Freiburg" nicht weiter zu beschädigen.

Autor: Michael Weiss, Freiburg