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29. Juni 2016

Religionsfeindlicher Osten

Die Menschen dort sprechen selbst vom "Heidenland"

Zu: "Nichtchristen als Heiden zu bezeichnen, ist abfällig", Zuschrift von Hanna Fexer (Forum, 14. Juni):

Im Artikel von Bernhard Honnigfort (auf den sich die Leserbriefautorin bezog, Anm. d. Red.) bezeichnet niemand Muslime oder andere ernsthafte Religionen als Heiden. Die Überschrift des Artikels lautete: "Ein Katholikentag in einer heidnischen Region". Dadurch ist eindeutig klargestellt, dass es sich hier um das geografische Gebiet um Leipzig handelt.

Dass man bei einem Bericht aus den neuen Ländern, in dem es um die dortige Religionslosigkeit geht, bei dem Begriff "heidnischer Halbmond" sofort den Islam assoziiert, kann ich nicht nachvollziehen. Schließlich gibt es dort kaum Muslime. "Halbmond" bedeutet doch nicht zwingend "Islam". Beim Begriff "fruchtbarer Halbmond", der das Gebiet bezeichnet, in dem die Menschheit mit Ackerbau und Viehzucht begonnen hat, denkt doch (hoffentlich!) keiner, dass damit eine höhere Geburtenrate bei Muslimen gemeint sei. Außerdem scheint die Bezeichnung "Heide" in den neuen Bundesländern nicht so negativ zu sein, wie es Frau Fexer empfindet. Wir haben mal eine Weile in Weimar gewohnt. Der dortige Pfarrer hatte die Gegend auch als "Heidenland" bezeichnet mit der Erklärung, dass es zusätzlich zu 40 Jahren religionsfeindlichem Sozialismus in der Gegend eine lange Tradition der Aufklärung gibt. Am dortigen Fürstenhof hatten sich diverse Geistesgrößen wie etwa Goethe getummelt. Und das war nicht gerade der Nährboden für tiefe Frömmigkeit. Das Ergebnis ist, dass der Großteil der Bevölkerung keiner Religionsgemeinschaft mehr angehört und auch kein Interesse an dem Thema verspürt. Und warum soll es überheblich oder abfällig sein, die Bezeichnung "Heide" für solche areligiösen Menschen zu verwenden, wenn sich die betroffenen Leute, wie die im Artikel zitierte Schwester Farfalle, selber als "Heidenkind" bezeichnen?Dorothea Grieb, Rheinfelden

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Autor: Dorothea Grieb, Rheinfelden