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19. Februar 2016

Auftritt des Erzbischofs beim Forum deutscher Katholiken

Hier werden Katholiken in die rechte Ecke gestellt

Zu: "Burger spricht vor Ultrakonservativen", Beitrag von Sebastian Kaiser (Land und Region, 4. Februar):

Es hat den Anschein, dass die Erzbischof Stephan Burger von der BZ gewährte Schonzeit nun vorbei ist. Anders ist der Beitrag von Sebastian Kaiser kaum zu erklären. Darin wird behauptet, im Erzbistum Freiburg würden Stimmen laut, die davor warnen, dass der Auftritt des Freiburger Erzbischofs beim "Forum deutscher Katholiken" von rechten Kirchenkreisen instrumentalisiert werden könnte. Der BZ-Redakteur zitiert ganze zwei Stimmen, darunter die eines Mitglieds von "Wir sind Kirche" (WsK). Bei WsK handelt es sich um eine von der römisch-katholischen Kirche nicht anerkannte Bewegung, deren Forderungen "zum Teil der christlichen Lehre widersprechen und in offenem Gegensatz zur kirchlichen Ordnung stehen", so eine Erklärung des Vatikans 1997. In den letzten Jahren hat WsK auch zu schismatischen Handlungen aufgerufen, etwa zur Feier der Eucharistie ohne Priester. 2014 wurde die WsK-Aktivistin Dr. Martha Heizer auf Anordnung von Papst Franziskus exkommuniziert, weil sie eine Messfeier simuliert hatte.

Im Unterschied zu WsK ist das "Forum deutscher Katholiken" von den deutschen Bischöfen als Gesprächspartner anerkannt. So waren etwa beim Dialogprozess der deutschen Bischöfe neben Vertretern des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) auch Delegierte des Forums beteiligt. Forum und ZdK verfolgen ganz unterschiedliche Agenden. Das ZdK fordert zum Beispiel die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und wiederverheirateter Geschiedener. Das Forum verteidigt Ehe und Familie und wendet sich gegen Genderideologie und Homo-Ehe. Das tut bekanntlich auch Papst Franziskus, und zwar mit teilweise recht deutlichen Worten.

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Seit der Gründung haben mehrere Bischöfe an Kongressen des Forums teilgenommen . Der BZ-Redakteur weist darauf hin, dass neben dem Erzbischof von Freiburg auch Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst als Redner beim Forum auftritt. Er verschweigt, dass der habilitierte Pastoraltheologe und frühere Limburger Bischof in seiner neuen Funktion als Delegat des Heiligen Stuhls für die Neuevangelisierung sprechen wird. Was ist gegen einen von Papst Franziskus ernannten Delegaten einzuwenden? Es ist schade, dass die BZ nicht die Chance genutzt hat, sachlich über die Spannungen unter den Bischöfen, Priestern und Laien in der katholischen Kirche in Deutschland zu informieren. Stattdessen werden die Katholiken, vor denen der Freiburger Erzbischof sprechen wird, in die rechtsradikale Ecke gestellt. Prof. Dr. Helmut Hoping, Freiburg

Autor: Prof. Dr. Helmut Hoping, Freiburg