Bildungspolitik

Weniger markige Sprüche und dafür mehr pädagogische Sachkenntnis, bitte!

Helmut Gattermann, Merzhausen

Von Helmut Gattermann & Merzhausen

Mo, 22. Januar 2018

Leserbriefe

Zu: "Ideen aus der Mottenkiste", Beitrag von Jens Schmitz (13. Januar, Politik)
An diese Wissenschaftsfeindlichkeit der US-Regierung unter Präsident Donald Trump wird man erinnert, wenn man die Erklärung der Mandats- und Funktionsträger der CDU Baden-Württemberg zur Bildungspolitik liest. Eine der darin enthaltenen Forderungen: zurück zum Frontalunterricht.

Nun hat der Oldenburger Bildungsforscher Hilbert Meyer schon vor Jahren empirisch nachgewiesen, dass Schülerinnen und Schüler dann die größten Lernerfolge erzielen, wenn die drei Grundformen des Unterrichts in gleichen Anteilen gemischt werden: Neben den Frontalunterricht treten so gleichberechtigt individualisierende und kooperative Lernformen.

Anders als die Verfasser der CDU-Erklärung offensichtlich annehmen, ist der Frontalunterricht in Baden-Württemberg keine bedrohte Spezies. Man trifft ihn nach wie vor an praktisch allen Schulen im Land an, übrigens auch an Gemeinschaftsschulen in Form von sogenannten Inputs, die der konzentrierten Einführung in ein neues Thema dienen.

Wenn die Autoren der Erklärung den Erhalt des Kooperationsverbotes zwischen Bund und Ländern im Bildungsbereich fordern, so sind ihre Ausführungen eher ein Argument für dessen Aufhebung. Sie sind ein Beispiel dafür, wie bedenklich es sein kann, wenn sich in 16 Ländern jede Partei bildungspolitisch profilieren möchte. Gerade für den sensiblen Bereich der Bildungspolitik sollte gelten: weniger markige Sprüche und dafür bitte mehr pädagogische Sachkenntnis!
Helmut Gattermann, Merzhausen