Demonstration der AFD und der Gegner

Dämonisiert, niedergeschrien und ausgepfiffen

Hilmar Hess

Von Hilmar Hess (Teningen)

Fr, 16. November 2018

Leserbriefe Freiburg

Ein Leser zu der Demonstration der AfD und Gegendemonstrationen nach der Gruppenvergewaltigung einer 18-Jährigen im Oktober.
Ausgelassene Stimmung unter den Gegendemonstranten? Die Gegendemonstranten (sicherlich nicht alle) beschimpften die AfD-Demonstranten permanent in übelster und respektlosester Art und Weise. Sprechchöre wie "Ganz Freiburg hasst die AfD", "Nazis raus", "Nazi Schweine" oder "Kein Recht auf Nazipropaganda" begleiteten die friedlich gehenden AfD-Demonstranten, die sich nicht provozieren ließen. Und dieser Hass war spürbar. Begleitet waren diese hysterisch laut geschrienen Denunziationen – anders kann ich es nicht bezeichnen, denn von Nazipropaganda oder gar Aufforderung zu Hass gegen Ausländer war den ganzen Abend beim besten Willen nichts zu hören! – von unendlich vielen ausgestreckten Mittelfingern, die bei uns ja wohl als Beleidigung zu werten sind.

Von den angeblich sich in ausgelassener Stimmung befindlichen Gegendemonstranten ging eine gnadenlose Aggression aus, die immer mehr zunahm und sich zu unverhohlenen Gewaltaufrufen steigerten (im Chor gebrüllt): "Haut se – haut se – haut se auf die Schnauze" wurde skandiert und gegen Ende der sich auflösenden Demo wurde die Drohung "Wir kriegen euch alle" herausgebrüllt. Was damit gemeint war, ist doch eindeutig und tatsächlich kam es in diesem Moment zu einzelnen Übergriffen der Gegendemonstranten auf die AfD-Teilnehmer, die zum Glück von den hellwachen Polizeibeamten unterbunden wurden. Wenn die sehr professionell agierende Polizei nicht anwesend gewesen wäre, hätte ich mich meines Lebens nicht mehr sicher gefühlt, so hasserfüllt und aufgeheizt war die Stimmung. Ich war zum ersten Mal bei so einer Kundgebung inklusive Gegendemonstration und ich bin schockiert über die Umgehensweise mit Menschen, die eine andere Meinung vertreten. Sie werden als Nazis dämonisiert, niedergeschrien, ausgepfiffen, beleidigt und bedroht. Der Weg für die nächste Eskalationsstufe wird auf diese Art frei gemacht. Ein kultivierter, demokratischer Umgang in Gespräch und sachlichem Austausch scheint mir mit diesen aufgehetzten und emotional vollkommen aufgewühlten (ausgelassenen?) Gegendemonstranten im Moment leider undenkbar. Die Fronten scheinen verhärtet.

Dieses Verhalten nenne ich faschistoid und es kommt eindeutig von links. Eine ausgelassene Stimmung fühlt sich anders an. Meinungsfreiheit gilt in unserem Land immer noch für alle, auch wenn sie einem nicht gefällt. Um es frei nach Voltaire zu sagen: Mir gefällt zwar deine Meinung nicht und ich kann sie nicht mittragen, aber ich werde alles dafür tun, dass du diese Meinung frei äußern kannst. Dieses Bewusstsein für die Freiheit der Gedanken und dem Äußern der eigenen Meinung geht wohl gerade ganz und gar in einem linken Rechthaberwahn unter.

Hilmar Hess, Teningen