Leserbriefe

Markus John, Grenzach-Wyhlen

Von Markus John & Grenzach-Wyhlen

Fr, 08. Februar 2013

Leserbriefe Lörrach

ZIMMERMANN-ANSIEDLUNG
Vertrauen schaffen
Zur laufenden Berichterstattung:
Die BASF verfolgt in Grenzach-Wyhlen eine verständliche Standortpolitik: (1) Melken der vorhandenen Produktionslinien so lange die sich rentieren, (2) Verteilen von Infrastrukturkosten (z. B. Kläranlage) auf möglichst viele Schultern, z. B. Ansiedlung der Firma Zimmermann (FZ), und was Standortperspektiven angeht, (3) das Bewegen im Rahmen dessen, was erlaubt ist, z. B. Ansiedlung der FZ. All dies dient alleine der Gewinnmaximierung und trägt sicher zur temporären Rentabilität des Standorts bei. Das ganze Konstrukt fällt aber wie ein Kartenhaus zusammen, wenn sich die Produktionslinien nicht mehr rentieren, dann verteilt sich die Last auf weniger Schultern, solche, die erst an den Standort geholt wurden. Rentiert es sich dann noch für diese kleinen Schultern? Warum wird nicht kommuniziert, wann dieser Zeitpunkt erreicht ist? Die BASF weiß um diese Problematik ganz genau Bescheid, und zu jeder guten Strategie gehören alternative Szenarien.

Können wir der BASF vertrauen, dass das gut durchdacht ist? Vertrauen muss man sich erarbeiten, und hier sieht die Bilanz leider bislang schlecht aus: Warum kauft man die CIBA, wenn man dann Hunderte Arbeitsplätze abbaut – man kaufte, was man nicht brauchte. Warum stellt man die Gemeinde mit FZ vor vollendete Tatsachen? Warum drückt man sich um eine nachhaltige Sanierung des BASF-Anteils der Kessler-Grube und anderer Problemzonen und propagiert Hotspot Sanierungen und Dichtwände – seit wann halten die ewig? Vielleicht muss man auf Kosten der Verursacher-Industrie eine neue Kläranlage bauen, wenn sich darunter Altlasten befinden, die ausgeräumt werden müssen – egal, muss sein. An kosmetischen Maßnahmen für unser Grundwasser sind wir nicht interessiert – das Gift muss raus.

Für mich genügt hier die BASF, zumindest ihre Zweigstelle in der Provinz, bislang nicht ihrem eigenen Verhaltenskodex in Bezug auf soziale Verantwortung. Dazu gehört wie in jeder globalen Firma das Anwenden von Best-Practices-Standards, Kommunikation mit Anspruchsgruppen (Rathaus, Bürgerinitiativen etc.), hohe ethische, soziale und ökologische Verantwortung und freiwillige Initiativen, die über gesetzliche und behördliche Vorschriften hinausgehen (= Fortschritt).

Nur so achtet man die Bedürfnisse des Einzelnen, der Gesellschaft und der Umwelt. Mein Rat, erstellen Sie eine Negativliste mit allen Anspruchsgruppen, was Neuansiedlungen angeht, sanieren Sie nach Best-Practices-Standards und werden Sie kreativ, was Ihre eigene Produktion in Grenzach-Wyhlen angeht, holen Sie neue BASF-Produktionslinien her. Das würde Vertrauen schaffen. Und kaufen Sie in der Zukunft nur, was Sie wirklich brauchen.Markus John, Grenzach-Wyhlen
Vollständige Aufklärung
Zur laufenden Berichterstattung:
Nach Lektüre der diversen Leserbriefe und Stellungnahmen in der Badischen Zeitung bezüglich der Ansiedlung der Firma Zimmermann in den vergangenen Wochen wird immer deutlicher, wie sehr wir Bürger auf eine vollständige Aufklärung angewiesen sind. Die gegensätzlichen Positionen der Parteien im Gemeinderat scheinen nicht allein auf Fachkompetenz begründet zu sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass unsere Gemeinderäte die von der Firma Zimmermann im Rathaus ausgelegten Akten studiert und verstanden haben. Wenn dies aber so zu sein scheint, dann müssen andere Interessen eine Rolle spielen. Welche sind dies nur? Neue Arbeitsplätze?

In der Gütersloher Ausgabe der Neuen Westfälischen Nachrichten vom 6. September 2012 ist zu lesen: "Auf dem Gelände von BASF in Grenzach (Baden-Württemberg) wird eine chemisch-physikalische Anlage für wässrige, sowie eine Konditionierungs-Anlage für anorganische Abfälle gebaut. Sieben Millionen Euro sollen hier investiert werden, Baubeginn soll Anfang 2013 sein und anfangs 13, bei Voll-Auslastung 50 Menschen beschäftigen". Es geht also um 13 bis 50 Arbeitsplätze. Welche Zahlen geisterten aber in den vergangenen Wochen um uns herum?

Die Stellungnahme der FDP und die Kritik dazu von einem Fachmann, Prof. Mutter, in der heutigen Ausgabe der BZ zeigt doch eindrucksvoll, dass wir als Bürger - Gemeinde noch sehr viel genauere Informationen benötigen, um die Ansiedlung der Firma mitzuentscheiden, zumal die Tragweite eines solchen Beschlusses für uns alle von großer Bedeutung sein wird: Ein neuer Schornstein soll in unserem Ort eingerichtet werden, erhöhter Lkw-Verkehr mit Gefahrengut wäre zu akzeptieren usw. In meiner Kindheit und Jugend lebte ich am Rande des Ruhrgebietes in der Stadt Essen. Wie oft mussten unsere Mütter die Wäsche noch einmal waschen, wenn der Wind in unsere Richtung blies, ganz zu schweigen von den gesundheitlichen Schäden, die uns gnadenlos damals von Schornsteinen abverlangt wurden. Sollte so etwas bei uns wieder neu entstehen, ohne dass wir als Bürger eine solche Entscheidung mittragen dürfen? Erfreulicherweise hat Herr Bürgermeister Lutz der Bitte von Frau Pfarrerin Dr. Metz entsprochen, eine Bürgerversammlung zu diesem Thema Anfang März einzuberufen, worum ich sie und ihre Kollegen in einem Brief Anfang des Monats gebeten hatte. Hoffen wir, dass wir auf diesem Wege weiter kommen, denn es geht um unsere Zukunft, um den Frieden in unserer Bürgergemeinde.
lic. theol. Peter Welinsky, Grenzach-Wyhlen
Eine Müllkarawane
Zur Stellungnahme der FDP vom 6. Februar:
Eine Müllkarawane, die durch Wyhlen zieht und das auch noch im Schritttempo zu den Hauptverkehrszeiten – bei der Vorstellung kann es einem richtig schlecht werden. Ob mit oder ohne Umgehungsstraße, Grenzach-Wyhlen wird, falls sich diese Firma Zimmermann hier ansiedelt, von allen Seiten eingenebelt. Es werden nicht 40, sondern bis zu 150 Lkw durchs Dorf ziehen – hin und zurück 300. Der Müll darf nicht durch die Lande kutschiert werden, er muss dort entsorgt werden, wo er entsteht.

Barbara Schurer, Grenzach-Wyhlen