Leserbriefe

Peter Jensch, Lörrach

Von Peter Jensch & Lörrach

Do, 07. Dezember 2017

Leserbriefe Lörrach

DEUTSCHES REQUIEM
Wille und Ziel, Tugend und Glück
Zum Artikel "Eine großartige Chorleistung" (BZ vom 13. November) über das Abschlusskonzert des Kirchenmusikfestivals "Goldener Herbst"

In der Sakralmusik europäischer Hochkultur des 19. Jahrhunderts bietet Johannes Brahms im "Deutschen Requiem" nach Worten der Heiligen Schrift einen deutschsprachigen Glaubenskurs in sieben theologischen Highlights: Seligpreisung der Leitragenden und Tröstung; die Konfrontation der Vergänglichkeit mit Gottes Verheißung "ewiger Freude"; Sterbe-Lehre und Hoffnung der Seele; das Verlangen der Seele nach dem Haus Gottes; Verwandlung, Lobpreis und Abschied.

Im philosophischen Hauptwerk "Das Prinzip Hoffnung" (1959) zählt Ernst Bloch Brahms’ deutsches Requiem zu "Wunschbildern des erfüllten Augenblicks", zu den "musikalischen Einweihungen in die Wahrheit der Utopie". Bloch: "Im Dunkel dieser Musik glimmen die Schätze, die von Rost und Motten nicht gefressen werden, also die dauernden, worin Wille und Ziel, Hoffnung und ihr Inhalt, Tugend und Glück vereinigt sein könnten wie in einer Welt ohne Vereitlung … weil der Himmel hier alles Salz in sich hat, das ihn nicht konventionell und dumm macht."Peter Jensch, Lörrach