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06. Februar 2017 11:17 Uhr

Internet

Fotos im Netz: Eltern setzen Kinder unnötigen Risiken aus

Ist es okay, Fotos seiner Kinder online zu stellen? Welche Risiken birgt das? Und was tun Eltern ihren Kindern damit eigentlich an? Experten geben Antworten.

  1. „Bin ich nicht ein toller Papa?“ Oft ist es übertriebener Elternstolz, der Kinderfotos ins Internet bringt. Foto: Rainer Holz

Dürfen Eltern Fotos ihrer Kinder öffentlich posten?

Wenn sie das Sorgerecht haben, dann ja. "Eltern sind die Sachverwalter der Rechte ihrer Kinder, entsprechend dürfen sie auch Fotos von ihnen im Internet veröffentlichen", sagt Karsten Gulden, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht aus Mainz.

Dabei haben auch Kinder ein Recht am eigenen Bild. "Im Grundsatz muss jeder gefragt werden", sagt Carsten Ulbricht, Rechtsanwalt für Internet- und Social-Media-Recht aus Stuttgart. "Je nach Alter können Kinder aber noch nicht selbst entscheiden, daher übernehmen die Eltern das für sie." Beide Erziehungsberechtigte müssen sich einig sein. Hat nur ein Elternteil das Sorgerecht, darf dieser alleine bestimmen.

Ab wann dürfen Kinder mitentscheiden?

In der Regel geht man davon aus, dass Kinder etwa ab dem 14. Lebensjahr die notwendige Einsichtsfähigkeit besitzen, um über die Veröffentlichung von Fotos mitzubestimmen. "Unter 14 Jahren können die Eltern im Grundsatz alleine entscheiden", sagt Ulbricht. Danach sind bis zum 18. Lebensjahr beide zuständig – die Eltern und das Kind.

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"Sobald ein Kind 14 ist, muss es ausdrücklich gefragt werden", sagt Ulbricht. Dann könne es auch das Löschen von bereits im Netz publizierten Bildern verlangen.

Welche Bilder sind problematisch?

Dass Nacktfotos von Pädophilen genutzt werden können, ist den meisten Eltern selbstverständlich bewusst. Doch auch vermeintlich harmlose Bilder bergen Risiken – zum Beispiel wenn der Name des Kindes darunter steht. "Es gibt bereits Suchmaschinen, bei denen man ein Foto hochladen kann, und dann wird das komplette Netz danach abgescannt", sagt Gulden. Jedes Foto könne zweckentfremdet werden oder auf einer Pädophilenseite landen.

Der Jurist rät, nur solche Fotos zu posten, auf denen das Kind von hinten zu sehen ist oder auf denen man das Gesicht nicht erkennt.

Welche rechtlichen Konsequenzen drohen Eltern?

"Spätestens, wenn sie volljährig sind, können Kinder gegen ihre Eltern und die Veröffentlichung der Fotos vorgehen" Karsten Gulden, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht
"Spätestens, wenn sie volljährig sind, können Kinder gegen ihre Eltern und die Veröffentlichung der Fotos vorgehen", sagt Gulden. Basis sei das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. "Das Kind kann eine Unterlassung verlangen und notfalls gerichtlich erzwingen, die Bilder zu entfernen", erläutert der Jurist. Schadensersatzansprüche ließen sich aber nur schwer durchsetzen.

Wer Konflikte vermeiden will, fragt seine Kinder ab einem gewissen Alter am besten um Erlaubnis. Probleme sehen die Experten bei Scheidungskindern und Patchworkfamilien, wenn Ex-Partner oder neue Lebensgefährten ungefragt Bilder posten: "In diesen Konstellationen sind künftig Klagen denkbar", sagt Gulden.

Welche negativen Folgen drohen den Kindern?

"Ist ein Foto erst einmal veröffentlicht, haben Sie keine Kontrolle mehr darüber", gibt Carsten Ulbricht zu bedenken. Die Bilder ließen sich leicht von Dritten herunterladen und weiterverwenden. "Im Teenageralter sind Jugendlichen viele Kinderfotos unangenehm, vor allem wenn Mitschüler sie sehen." So manches Kind werde deswegen gehänselt oder gemobbt. "Und man weiß nie, was irgendwann mal wieder hochkommt", sagt Ulbricht. Macht das Kind später Karriere, wird es sich kaum über die eigenen Töpfchenbilder im Netz freuen.

"Kinder können sich in ihrer Privatsphäre verletzt fühlen, wenn ihre Eltern Fotos von ihnen online teilen", sagt Philipp Masur vom Lehrstuhl für Medienpsychologie an der Universität Hohenheim. "Das ist eine Art Vertrauensbruch." Anderen etwas über seine Kinder mitzuteilen, sei zwar nicht neu: "Hat man früher Details über das Kind ausgeplaudert, hat es sich auch geschämt." Online könne das jedoch viel größeren Schaden anrichten.

Helfen restriktive Privatsphäre-Einstellungen?

Sie sind besser als nichts. "Wenn jemand unbedingt Kinderfotos veröffentlichen will, dann zumindest zugangsbeschränkt", empfiehlt Ulbricht. Die Gefahr, dass jemand Kopien macht, besteht aber immer: Wird ein Foto dann neu hochgeladen, bleibt es online, auch wenn das Ursprungsbild gelöscht wird. Dasselbe gilt für Messenger.

Warum posten Eltern überhaupt so viele Kinderfotos?

Laut Philipp Masur ist das eine Form von Selbstdarstellung. "Als junge Eltern identifiziert man sich auch über seine Kinder. Man möchte zeigen, was man erreicht hat." Nach der Hochzeit oder dem schönen Urlaub sei das Posten von Kinderfotos nur der nächste Schritt, sagt der Wissenschaftler. Komme ein Bild gut an, bestärke das. "Man bekommt etwas zurück, indem die Leute kommentieren und liken."
Mehr Sicherheit bei Facebook & Co.

Aufruf der Polizei Hagen: http://mehr.bz/rej2ay

Webseite der Rechtsanwälte Gulden & Röttger: https://ggr-law.com/

Tipps zu Sicherheitseinstellungen bei Facebook: http://mehr.bz/wh6z

Bei Problemen in sozialen Netzwerken: http://mehr.bz/7y8bkbta

Infos zu Carsten Ulbricht: http://mehr.bz/js4

Infos zu Urheber- und Persönlichkeitsrechten in Social Media: http://mehr.bz/qr8km8

BSI-Tipps zur sicheren Nutzung sozialer Netzwerke: http://mehr.bz/t3wqz5

Autor: Olivia Konieczny (dpa)