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25. März 2014 16:48 Uhr

Reisereportage

Andreas Altmanns Palästina-Buch: Hoffen auf Frieden

Andreas Altmann hat Palästina bereist und darüber das Reportagebuch "Verdammtes Land" geschrieben. Bei Lesungen in Kirchzarten und Freiburg stellt er diese bereichernde Lektüre vor.

  1. Im Gespräch: Andreas Altmann mit einem Palästinenser Foto: Colin Rosin

Was soll da noch überraschen?! So viel ist schon über den israelisch-palästinensischen Konflikt geredet und geschrieben worden, dass es kaum möglich scheint, etwas Neues, Unerwartetes beizusteuern. Doch wenn sich ein so besonderer Reiseautor wie Andreas Altmann an das Thema heranwagt, muss ein lesenswertes Buch herauskommen: schonungslos, direkt und gewagt, wie seine Autobiographie "Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend".

Für sein neues Buch hat sich Altmann auf eine Reise nach Israel und in die Palästinensergebiete begeben – allein. Er lässt sich treiben, immer bereit, sich auf die unterschiedlichsten Menschen einzulassen: Taxifahrer, Politiker, Flaneure, Gäste der so zahlreichen Cafés, Hotelbesitzer, Journalistinnen, Juden, Christen wie Muslime. Obwohl er viele von ihnen eben erst kennengelernt hat, entlockt er ihnen rührend persönliche Geschichten über ein Leben in einem schwierigen Landstrich, geprägt von Gewalt, Besatzung und Hass. Was ihn erstaunt: Viele der ganz normalen Menschen in den Palästinensergebieten reden nicht feindselig über die israelischen Nachbarn, eher resigniert. Auch in schwierigsten Situationen versuchen sie noch ein kleines Stück Glück zu finden, die Hoffnung auf ein besseres Leben in Frieden.

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Das Besondere an diesem Buch ist: Altmann zeigt zwar großes Verständnis für die Nöte der Palästinenser – deren Eingesperrtsein für ihn eine kaum zu ertragende Freiheitsberaubung ist. Er schlägt sich aber nicht blind auf eine Seite, wie das leider so oft geschieht in diesem heiklen Konflikt. Bei allem Verständnis für die Palästinenser schimmert auch seine Liebe und Bewunderung für seine jüdischen Freunde, für israelische Schriftsteller wie etwa David Grossmann, für Menschenrechtler und andere Weltverbesserer durch. Immer wieder betont er, dass es doch eigentlich möglich sein müsste, dass beide Völker zusammenleben.

Warum es dennoch nicht klappt, ist für Altmann klar: Aus seiner Sicht stehen all die religiösen Fanatiker, die sich in der Region versammelt haben, einem Frieden im Weg: fromme Juden, wiedergeborene Christen, fundamentalistische Muslime. Sie sind für ihn die Wurzeln allen Übels, mit ihrem Glauben an einen Gott, der ihr Tun rechtfertigt: Landnahme, Terror und Mord. Altmann kennt da keine Schattierungen, bisweilen lässt er sich in seiner Ablehnung alles Religiösen zu sehr forttragen. Menschen tun sich auch Leid an, ohne religiös zu sein. Fanatismus muss also andere Wurzeln haben, die im Menschen selbst liegen. Religion ist da nur ein Instrument. Altmann denkt an dieser Stelle ein wenig zu kurz.

Sehr viel interessanter sind die Reflexionen über die deutsche Geschichte, den Holocaust und unser Verhältnis zu Israel und den Palästinensern. Sie zeugen von einer tiefen Auseinandersetzung mit der deutschen Schuld und der Frage, wann Kritik an israelischer Politik berechtigt ist und wo sie auch ins Antisemitische abzugleiten droht. All das regt zum Nachdenken über eigene Positionen und politische Verantwortung an – eine bereichernde Lektüre also.
– Andreas Altmann: Verdammtes Land. Eine Reise durch Palästina, Piper, München 2014. 304 Seiten, 19,99 Euro.
– Lesungen: Kirchzartener Bücherstube, Do, 27. März, 20 Uhr, Tel. 07661/2164; Bettenhaus Stiegeler, Fr, 11. April, 19.30 Uhr, Tel. 0761/282680.

Autor: Annemarie Rösch