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08. August 2017 00:00 Uhr

Neuauflage

5000 neue Begriffe für den Duden

Vier Jahre nach der bisher letzten Überarbeitung erscheint eine neue Ausgabe des Dudens. 5000 Stichworte wurden neu aufgenommen – manche werden für Diskussionen sorgen.

  1. Die Leiterin der Dudenredaktion, Kathrin Kunkel-Razum Foto: dpa

"Noch weiter verbreitet als Hasskriminalität: kriminelle Schreibweise." "Überhaupt nicht sexy: wenn Sie tindern falsch schreiben." Mit einer Reihe von Werbesprüchen wie diesen weist der Duden auf seine um 5000 Stichwörter erweiterte Neuauflage hin. Die erscheint an diesem Mittwoch. Der Tonfall der Kampagne gibt den Kurs vor: Der Duden will weg vom Image des angestaubten Nachschlagewerks und auch Spaß an Sprache vermitteln. "Wir möchten zeigen, was man mit Sprache alles machen kann – eben nicht nur relativ dröge Wörterbücher", erklärt die zuständige Redaktionsleiterin Kathrin Kunkel-Razum.

Circa alle drei bis fünf Jahre wird das Nachschlagewerk aktualisiert. "Nach dieser Zeit gibt es genug Entwicklungen im Wortschatz, die man gerne abbilden möchte", sagt Kunkel-Razum. Hinzu kommen diesmal einige wenige Rechtschreibänderungen, wie die kürzlich vom Rat für Rechtschreibung beschlossene Einführung eines großen Eszetts.

Diesmal reicht das Spektrum der neuen Wörter von Selfie bis facebooken und von postfaktisch bis Fake News. Internetblog ist ebenso dabei wie die Eigennamen der Apps Instagram und Snapchat. Auch für die Aufnahme aller Bundeskanzler hat sich die Redaktion nun erst entschieden. "Merkel, Angela": Auch das ist damit ein Stichwort von insgesamt 145 000 der 27. Auflage – mehr als fünfmal so viele wie im Urduden von 1880. Bei Duden weiß man, dass neu aufgenommene Wörter stets als Gesprächs-, ja Debattenthema taugen. Ein rund 15-köpfiges Kernteam habe die neue Ausgabe erarbeitet, sagt Kunkel-Razum.

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Die Entscheidungen zur Neuaufna hme von Wörtern basieren auf einer riesigen elektronischen Textsammlung. Eingespeist werden Zeitungsartikel, aber zum Beispiel auch Gebrauchsanweisungen und Romane. Für Neuauflagen filtern Computerlinguisten neue Begriffe seit der vorigen Ausgabe heraus. Übrig bleiben lange Listen, aus denen Redakteure Aufnahmekandidaten auswählen. "Das ist wirklich ein Spiegel der Zeit", sagt Kunkel-Razum über diese Arbeit. Für die Aufnahme seien mehrere Kriterien entscheidend: Wörter müssen häufig und in unterschiedlichen Textsorten vorkommen. Daneben geht es um die Dokumentation gesellschaftlicher Entwicklungen und Service: Manche Nutzer glaubten, dass es ein Wort nicht gibt, wenn es nicht im Duden steht, sagt Kunkel-Razum.

Dann sind da noch Einträge wie Work-Life-Balance und Phablet (gebildet aus Phone und Tablet), ein Handy mit großem Display. Droht da erneut eine Debatte über Anglizismen im Deutschen? Der Verein Deutsche Sprache verlieh Duden nach der 2013er Ausgabe den Negativ-Titel "Sprachpanscher des Jahres". Begründung: Es seien "lächerliche Angeber-Anglizismen" aufgenommen worden.

Darauf angesprochen, hält Kunkel-Razum einen Moment inne: "Da kann man sich drüber ärgern und sagen, die Leute verstehen nicht so viel von Sprachentwicklung, sonst wären sie nicht auf die Idee gekommen." Dann winkt sie ab: "Vergessen – das ist wirklich nicht wesentlich gewesen." Sie sorge sich nicht um das Deutsche, das System sei anpassungsfähig und stabil. Der Einfluss aus dem Englischen gerade bei technischen Entwicklungen sei nun mal Fakt.

Apropros Technik: Wie gefragt ist das Nachschlagewerk zum Anfassen und zum Preis von 26 Euro im Onlinezeitalter noch? Wie sich die Verkäufe entwickeln, will Kunkel-Razum nicht sagen. Man sei "nach wie vor sehr, sehr zufrieden". Aber natürlich schaffe sich Duden mit dem eigenen Onlineangebot Konkurrenz.

In der Broschüre für Buchhändler und Journalisten mit kommenden Titeln ist schon mal eine Zahl verzeichnet, die durchaus auf Millionenumsätze schließen lässt: 850 000 Exemplare des Duden von 2013 seien über die Ladentische gegangen. Jedenfalls ein Signal an die Händler: Achtung, Bestseller!

Duden – Die deutsche Rechtschreibung. 27. Auflage, 1264 S., 26 Euro, ab Mittwoch.

Autor: Gisela Gross (dpa)