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23. Juli 2016 00:00 Uhr

Bildband

Die abseitigen Kriegsfotos von Christoph Bangert

Der Kölner Fotograf Christoph Bangert liebt abstruse Bilder. Bangert, der als Kriegsreporter unterwegs war, fand an den Schauplätzen der Gewalt auch allerlei Kurioses.

  1. Wer beobachtet wen? US-Soldat in der Stadt Ba’aj, nahe der syrischen Grenze. Irak 2005. Foto: bangert

Ein Krieg ist nicht lustig. Er ist der blanke Horror. Aber manchmal ist er absurd. Und es gibt Momente, wo man sogar schmunzeln kann: Wenn eine mobile Feld-Toilette mit grün gepolstertem Sitz und einer Rolle Klopapier einsam und verlassen mitten in der afghanischen Wüste steht, stellt sich die Frage: Wie kommt das Teil da hin? Es waren die Deutschen, und die sind gründlich. Die Bundeswehr sorgt vor – auch wenn nebenan scharf geschossen wird.

Der Kölner Fotograf Christoph Bangert liebt abstruse Bilder. Bangert, der als Kriegsreporter im Auftrag der New York Times, des Stern und der Neuen Zürcher Zeitung in den Spannungsgebieten des nahen Ostens, im Irak oder in Afghanistan unterwegs war, fand an den Schauplätzen der Gewalt auch allerlei Kurioses: Da ist das junge Brautpaar, das in einem Club in Bagdad in einer überdimensionalen weißen Stoffmuschel für das Hochzeitsfoto posiert – während draußen auf der Straße jederzeit Autobomben von fanatischen Extremisten explodieren können. Da ist der ziemlich traurig dreinblickende Gaul, der in einem heruntergekommenen kommunalen Mietstall steht und auf sein Gnadenbrot wartet – eines der letzten Tiere aus der Sammlung edler arabischer Hengste, die der Diktator Saddam Hussein einst sein eigen nannte.

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Bangert (Jahrgang 1978) zeigt die Widersprüchlichkeit des Krieges – neben allen Grausamkeiten bleibt doch immer auch ein Stück Normalität und Alltag. Etwa dann, wenn eine kanadische und eine amerikanische Soldatin sich freizügig am Swimmingpool in einem Armee-Camp bei Kandahar vergnügen – es waren vermutlich die ersten und einzigen Bikinis, die jemals im Süden Afghanistans getragen wurden.

Christoph Bangert: hello camel.Kehrer Verlag, Heidelberg 2016. 96 Seiten mit 44 großformatigen Farbfotos, 39,90 Euro.
Ausstellung im Kunstmuseum Singen, 15. Oktober bis 4. Dezember

Autor: wog