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20. März 2015 00:00 Uhr

Wissenschaft

Tagebucharchiv Emmendingen stellt 15.000 Dokumente ins Netz

Für die Nutzer ist es ein Quantensprung, der Recherchen erleichtert: Seit Anfang des Monats können mehr als 15.000 Einzeldokumente des Emmendinger Tagebucharchivs im Internet abgerufen werden.

  1. Projektleiter Hans D. Schmitz demonstriert die Tagebuchsuche über den jetzt frei geschaltenen Online-Katalog. Foto: Gerhard Walser

Für die wissenschaftlichen Nutzer des Deutschen Tagebucharchivs ist es nicht weniger als ein Quantensprung: Seit Anfang des Monats können mehr als 15 000 Einzeldokumente des Emmendinger Archivs über einen Online-Katalog im Internet weltweit abgerufen werden. Möglich gemacht hat dies ein fast zweijähriges Projekt, das mit Bundesmitteln finanziert wurde. Sämtliche Datensätze mussten zuvor in eine lokale Datenbank eingepflegt, überarbeitet, anonymisiert und korrigiert werden.

"Wir legen im Internet einen Köder aus, geangelt wird dann bei uns im Archiv", beschreibt DTA-Geschäftsführer Gerhard Seitz den Effekt. Denn noch können Archivbestände, die teilweise bereits digitalisiert sind, nicht komplett online abgerufen werden. Das Ziel bleibt, dass Studenten und Wissenschaftler in Emmendingen vor Ort recherchieren, "doch die Suche wird dank des Katalogs künftig zielgerichteter möglich sein."

Schon jetzt herrscht reges Gedränge im Alten Rathaus. Allein im März haben bereits sechs Besucher aus aller Welt in Tagebüchern, persönlichen Aufzeichnungen und Briefen gestöbert. Antje Dussa von der Universität Leipzig recherchierte für ihre Dissertation zum Thema Kinder und Jugendliche nach dem Zweiten Weltkrieg, Anne Bernard aus Lyon interessierten Frauentagebücher aus der DDR und Jean Michel Turcotte von der kanadischen Universität in Quebec wurde für seine Doktorarbeit über deutsche Kriegsgefangene in den USA, Kanada und Großbritannien fündig. Sie alle können künftig durch den Online-Katalog abschätzen, ob sich die weite Reise auch lohnt.

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15 118 Einzeldokumente stehen zur Verfügung

Wer die Homepage des Tagebucharchivs aufruft, der findet rasch mit wenigen Mausklicks den Weg zum Ziel: Projektleiter Hans D. Schmitz zeigt beim Pressetermin, wie der Zugriff auf die Bestände anhand von Stichworten, Ortsangaben und Persönlichkeitsnamen möglich ist. Insgesamt zehn Formulare wurden bei der mühevollen Dateneingabe verwendet. Lebenslauf, Art des Textes, Titel, Seitenzahl, Inhalt und eine Kurzzusammenfassung wurden für jedes der 15118 Einzeldokumente hinterlegt. Rund 1000 Dokumente von durchschnittlich 200 Autoren, so schätzt Gerhard Seitz, kommen jährlich hinzu. Die beiden pensionierten Diplom-Bibliothekarinnen Swolke von Uslar und Frauke Vrba waren für die detaillierte Bestückung der Online-Datenbank verantwortlich. 300 bis 350 Arbeitsstunden pro Nase, dazu rund 1000 Stunden Korrekturlesen und die Programmierungsarbeit wurden dafür aufgewendet. Am meisten Arbeit hat dabei die Anonymisierung der Texte gemacht, denn für die Verwendung im Internet dürfen aus Datenschutzgründen weder die Namen der Autoren, noch die von im Text genannten oder beschriebenen Personen aufgeführt werden.

"Suchen, finden, filtern" ist der Online-Katalog überschrieben. Hat man durch gezielte Begriffe die Suche eingeschränkt, so meldet das System die gewünschten Treffer aus dem reichen Fundus des Tagebucharchivs. Damit die so ausgewählten Dokumente besser beurteilt werden können, bietet das Archiv durch seine wissenschaftlichen Mitarbeiter einen vertiefenden Rechercheservice. Gegen eine Gebühr werden ausführlicher Datenbankauszüge per E-Mail zugeschickt, damit die Interessenten gezielt entscheiden können, ob sich die Anreise nach Emmendingen lohnt. Abrufbar ist der Datenbestand übrigens auch über den Südwestdeutschen Bibliothekenverbund und die Deutsche Digitale Bibliothek.

"Ohne das Geld aus Berlin wäre das niemals zu leisten gewesen", sagt Friedrich Kupsch, der stellvertretende DTA-Vorsitzende. Insgesamt 79 000 Euro wurden für das auf zwei Jahre angelegte Projekt bewilligt. Barmittel flossen zwar nicht, doch so ganz nebenbei konnte das Archiv immerhin seine Hardware auf Vordermann bringen. "Für einen neuen Server hat es noch gereicht", so Kupsch.

Der Weg zum Online-Katalog: www. tagebucharchiv.de

Autor: Gerhard Walser