Premiere

Affenquatsch und Mistkäferparfüm: "Der Löwe, der nicht schreiben konnte" im Jungen Theater

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

Mi, 15. Juni 2016

Lörrach

Die jüngste Gruppe des Jungen Theaters feierte am Sonntag im Alten Wasserwerk mit ihrer neuen Inszenierung „Der Löwe, der nicht schreiben konnte“ nach einem Bilderbuch von Martin Baltscheit Premiere.

LÖRRACH. Unter Regie von Birgit Vaith spielten, sangen und tanzten zehn Mädchen und ein Junge frisch von der Leber weg und begeisterten die kleinen und großen Zuschauer.

Man könne nicht ganz garantieren, dass nicht hie und da von oben Torjubel in den Theatersaal dringen werde, kündigte Birgit Vaith vor der Aufführung an. Schließlich bietet das Alte Wasserwerk während der Fußball-EM in Frankreich Public Viewing an. "Lassen Sie sich nicht davon irritieren, die Spieler tun’s auch nicht", ermunterte die Theaterpädagogin das Publikum. Die Gefahr bestand aber überhaupt nicht, zu sehr fesselte das junge Ensemble in Folge mit der so poetisch wie leicht und locker inszenierten Geschichte um einen Löwen, der sich in eine liebreizende Löwin verliebt.

Nur ein Problem beschäftigt den König des Dschungels, gespielt von Livia Nellisen: Er kann zwar brüllen und die Zähne zeigen, was normalerweise für einen Löwen auch vollkommen ausreicht. Aber lesen und schreiben hat er nie gelernt. Diese schöne Löwin (Clea Dieterle) aber, die ihm den Kopf verdreht hat, liest Shakespeares "Romeo und Julia". Eine lesende Löwin ist eine Dame, sagt der Löwe zur Biene (Emilia Tillmann), und einer Dame schreibt man einen Brief, bevor man sie küsst. Also macht er sich auf die Suche nach einem Tier, das für ihn einen wortgewandten Liebesbrief an die Angebetene schreibt.

Dass das gar nicht so einfach zu bewerkstelligen ist, merkt der Löwe schnell. Die Affenbande, die er zuerst dazu zwingt, diese Aufgabe für ihn zu erledigen, vertreibt sich den Tag mit Gesang und Tanz – herrlich, wie Luisa Senn, Jule Sobriel, Lasse Trost und die anderen "He, he, ho" in Margeriten-Mikrophone trällern und dazu ein bisschen hiphop-mäßig mit dem Allerwertesten wackeln. Als der Löwe sich auf dem Weg zur Post aber vom Nilpferd den Brief der Affen vorlesen lässt, in dem steht, "Ich hab’ auch Bananen", schreit er entrüstet: "So ein Affenquatsch. So etwas hätte ich nie geschrieben."

Diese Geschichte wiederholt sich fortan mit jedem Tier. Das Nilpferd (Lena Wuchner) lädt die Löwin zum Tauchen ein, der Mistkäfer (Nina Borgne) besprüht seinen Brief mit Käferparfüm, das Faultier (Emma Keutler) schläft schon beim Singen von "Probier’s mal mit Gemütlichkeit" ein und kommt gar nicht mehr zum Schreiben. Die Giraffe (Louisa Batt) wird samt Brief vom Krokodil gefressen, und so geht das immer weiter. Auch die Gans (Lisa Boldt) und die Geier, die wissen, dass es für wahre Dichtkunst Muße braucht, können sich nicht in den Löwen hineinversetzen und nicht ausdrücken, was sein Herz erfüllt. Stattdessen schreiben sie, was aus ihrer eigenen Sicht wichtig wäre.

Am Ende platzt der Löwe vor Wut und er brüllt laut heraus, was er der Herzensdame schreiben würde, wenn er selbst lesen und schreiben könnte. Und in dem Augenblick, in dem er seine Schwäche endlich zugibt, erhört die Löwin ihn. Lächelnd eilt sie herbei, nimmt ihn bei der Hand und verlässt mit ihm die Bühne durch ein Spalier von amüsierten Geiern.

Diese Inszenierung des Jungen Theaters lebt von ihrer Spritzigkeit, viel Humor und poetischen Einsprengseln von berühmten Dichtern. Die farbenprächtigen Kostüme und das Bühnenbild, das der Künstler Jürgen Stork gemeinsam mit Schülern der Kunst-AG der Albert-Schweitzer-Gemeinschaftsschule schuf, ergeben eine stimmige Verpackung. Die tolle Ensembleleistung war wirklich einen "Leo" für jedes Mitglied wert. Die Preise wurden im Anschluss an die Premiere von Birgit Vaith verliehen.

Weitere Aufführungen: Sonntag, 19. Juni, 16 Uhr, und Mittwoch, 22. Juni, 15.15 Uhr, (beide beim Kindertheatertreffen im Alten Wasserwerk)