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12. November 2014

Brillante Querpässe und gutes Zuspiel

Beim "Schnäggeesse" der Narrenzunft war viel von Fußball die Rede/ Monica Rexrodt ist Protektorin / "Dumm g’schwätzt isch gli".

  1. Köstlich: Ohne Schnecken kein Fasnachtsauftakt in Lörrach – gemäß dem Mott: „Friss’n weg, dr Schnägg!“ Foto: Barbara Ruda

  2. Die närrischen Kommentare beim Fasnachtsauftakt wurden vom Publikum begeistert aufgenommen. Foto: Barbara Ruda

  3. Monika Rexrodt, hier umrahmt von Obergildenmeiser Jörg Roßkopf (li.) und Oberzunftmeister Stephan Vogt, ist neue Protektorin. Foto: Barbara Ruda

LÖRRACH. Drangvolle Enge, wenig Luft und Kräuter-Knoblauchschwaden – das ist das Ambiente, das zum "Schnäggeesse" der Narrenzunft gehört. Beim Lörracher Fasnachtsauftakt wurde wie gewohnt das Motto verkündet ("Dumm g’schwätzt isch gli") und der Protektor ins Amt gehoben. Das ist in diesem Jahr, da die Rathausspitze in Männerhände zurückfiel, mal wieder eine Protektorin: Monica Rexrodt.

Der Kräuterduft erhob sich von Tellern voller Schnecken, mit denen sich die vielen Gäste für die folgenden Stunden stärkten. Durch die leitete mit trockenem Witz Oberzunftmeister Stephan Vogt, der die Aufmerksamkeit nach dem Essen mit einem gellenden Anpfiff wieder für sich reklamierte. Sein Team präsentierte er im weltmeisterlichen Jahr als Fußballmannschaft – mit Spielmachern, Steilpässen, Transfers und Spielerketten. "Endlich Weltmeister!", verkündete Vogt. Endlich wieder ein Mann an der Rathausspitze – und endlich wieder Fasnacht!

Dann gab’s einen Steilpass zu Transferspieler Philipp Buser, der, seit kurzem Hägelberger, zu einem launigen Lob des Landlebens anhob. Er gab den Ball weiter zu Christoph Schuldt, der von Nahverkehrsabenteuern und einem Abstecher in die fast leere Lörracher Veloeinstellhalle zu berichten wusste. Ralf Buser grätschte ein mit Anekdoten von einer Urlaubsfahrt und schob das Leder dann zu Karl-Heinz Sterzel. Der hob an zu einem spektakulären Lauf übers ganze Feld, sprich: durchs ganze Jahr. Sein "Blick zurück im Zwirn" mündete in die Erkenntnis: Zu viele Diktatoren, zu wenig Vreni Hirts. Um die Dinge zum Besseren zu wenden, gründe er nun eine Partei. Ihr Name: NICHT. Ihr Erfolg: Gewiss. Schließlich haben zum Beispiel bei der OB-Wahl 68 Prozent der Lörracher NICHT gewählt.

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Kein Vorbeikommen war danach an Schwergewicht Klaus Ciprian-Beha, der erklärte, wie er den Wahlsieg in Lörrach von Wyhlen aus ein Vierteljahrhundert lang vorbereitete. Überhaupt war natürlich der Wechsel im Rathaus nach den vielen Gudrun-Jahren ein gefundenes Fressen – auch für Hansi Gempp, der sich stolz zeigte, bereits unter dem vierten Oberbürgermeister Stammspieler der Zunft zu sein. Gäste auch aus der Nachbarschaft hatten sich in der Ehrenloge eingefunden, einige griffen ins Spiel ein. Bernhard Winterhalter, einst Vogt in Kandern, plauderte aus seinem Rentnerleben; der Basler Felix Drechsler lieferte jene Seitenhiebe auf den Oberzentrumspartner Weil am Rhein, ohne die die Lörracher Fasnacht nicht wiederzuerkennen wäre – was auch umgekehrt gilt und darum nicht als Foulspiel zu bewerten ist. Andreas Glattacker waren die "Losigsgedange" vorbehalten, und Bürgermeister Michael Wilke, der sich als Protektor verabschiedete, verknüpfte die fünfte Jahreszeit mit dem Wahlkampf. Lauter Narren. Überall.

Die Plakette wurde vorgestellt, die wieder von Frank Schmohl stammt, und Protektorin Monica Rexrodt ins Amt eingeführt. Nachdem das Rathaus an der Spitze wieder fest in Männerhand sei, rette sie die Frauenquote – und freue sich kolossal, erklärte die neue Schirmherrin.

Am Ende wurde noch Philipp Buser in den Gesellenstand und Andreas Kuhn zum Stift erhoben – und der Gemeindeverein der Friedensgemeinde durfte eine Spende von 500 Euro entgegen nehmen. In diesem Sinne: Friss’n weg, dr Schnägg!

Mehr Bilder finden Sie in einem Fotoalbum im Internet unter: http://mehr.bz/schnaegge-essen

Autor: Sabine Ehrentreich