Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
29. Dezember 2011
"Nellie Nashorn" steht vor Neuanfang
Trägerverein sucht eine neue Geschäftsführung / Verantwortung für Kultur und Gastronomie künftig in einer Hand.
LÖRRACH. Der neue Vorstand des Trägervereins "Nichtsdestotrotz" möchte mit neuem Personal und mit neuen Ideen Zukunftsperspektiven für das "Nellie Nashorn" entwickeln. Aus diesem Grund wurde der Vertrag mit der Geschäftsführerin Ingrid Weinmann gekündigt. Das neue Organisationsmodell sieht vor, dass die künftige Leitung sowohl für die Gastronomie als auch für den Kulturbetrieb die Verantwortung trägt und somit für den Gesamtzusammenhang des sozio-kulturellen Zentrums steht.
"Wir wollen einen Neuanfang mit neuen Leuten", erklärten die Vereinsvorsitzende Monika Mareis und weitere Vorstandsmitglieder im Gespräch mit der BZ. Deshalb habe sich der Vorstand zu dem schwierigen Schritt durchgerungen, auch personell einen klaren Schnitt zu ziehen. "Wir brauchen frisches Blut und frische Ideen", sagt Monika Mareis. Die künftige Leitung soll nicht aus dem unmittelbaren "Nellie"-Umfeld kommen. Deshalb wird die Stelle ausgeschrieben. Der Vorstand geht davon aus, dass die Stelle etwa zur Jahresmitte 2012 neu besetzt wird. Mit der Zuständigkeit sowohl für den Kulturbetrieb als auch für die Gastronomie möchte der Vorstand dafür sorgen, dass alle operativen Vorgänge in einer klar geregelten Verantwortung gebündelt werden. Außerdem setzt der Vorstand darauf, mit der künftig wieder engeren Verflechtung von Kneipe und Kultur an die Wurzeln des sozio-kulturellen Zentrums anzuknüpfen und die Rolle eines Treffpunkts zahlreicher gesellschaftlicher und kultureller Gruppen neu zu betonen. Außerdem hofft der Vorstand, mit einer wiederbelebten Gastronomie mehr Menschen an das Kulturzentrum zu binden.Werbung
Geplant ist außerdem, dass der künftigen Leitung für den Kulturbetrieb und für die Gastronomie fachkundiges Personal beiseitegestellt wird. Für den Kulturbetrieb ist weiterhin Sabine Imping tätig, für die Abteilung Gastronomie wird nun eine Fachperson gesucht. Die Stelle wird ausgeschrieben, und schon im Frühjahr möchte der Verein eine Fachkraft einstellen, deren vorrangige Aufgabe sein wird, die Küche zu führen und ein Gastro-Team aufzustellen. Die Vorgabe: Saisonal, regional, weitgehend vegetarisch und einfach soll das Angebot sein – und all dies in zeitgemäßer Aufmachung. Die Gäste des "Nellie Nashorn" sollen sich "aufgehoben und willkommen" fühlen, wie Vorstandsmitglied Gerd Wernthaler sagt. Mit dem Personal, das wegen der prekären wirtschaftlichen Lage im Sommer die betriebsbedingte Kündigung erhalten hatte, werde zwischenzeitlich immerhin "eine schwarze Null" erwirtschaftet. Auf lange Sicht müsse laut Monika Mareis die Gastronomie jedoch auch in der Lage sein, Altschulden abzutragen.
Neben der wirtschaftlichen Konsolidierung und der organisatorischen Neuausrichtung, für die eine neue Satzung die Aufsichtsfunktion des Vorstandes und klare Kontrollmechanismen festschreiben wird, sucht das "Nellie Nashorn" vor allem nach einem zukunftsfähigen Kulturkonzept. Klar ist, dass sowohl das Kleinkunstprogramm als auch die Arbeit der eigenen Gruppen weitergeführt werden. "Aber wir wollen nicht immer mehr vom Gleichen", sagt die stellvertretende Vorsitzende Ina Isemann. Ideen gebe es genug, findet Monika Mareis. Mit der neuen Leitung müsse das konkretisiert werden. Wobei der Vorstand schon eine grobe Linie entworfen hat: Das "Nellie Nashorn" müsse vernetzend wirken, neue Nischen besetzen, spartenübergreifend arbeiten und aus dem Alleinstellungsmerkmal, Begegnungsort zahlreicher Gruppen zu sein, mehr Synergieeffekte entfachen.
Auch wenn sich der neue Vorstand mit der Krisenbewältigung noch lange nicht am Ziel fühlt, so gebe es nach zweimonatiger Arbeit doch zahlreiche ermunternde Signale. Die Geldgeber unterstützen die Neuausrichtung und insgesamt, so fasst Gerd Wernthaler zusammen, "spüren wir, dass das ’Nellie Nashorn’ in Lörrach erwünscht ist."
Autor: Willi Adam
