BZ-Interview

Was macht einen guten Foodtruck aus, Lola Heidel?

Frank Schoch

Von Frank Schoch

Do, 09. August 2018 um 19:35 Uhr

Gastronomie

Lola Heidel zählt zu Südbadens Foodtruck-Pionieren. Am Samstag wird sie auch die Besucher des BZ-Foodtruck-Fests in Bad Krozingen mit ihren Burgern bewirten. Worauf kommt es an?

13 000 Besucher strömten 2017 zur Premiere des BZ-Foodtruck-Fests nach Bad Krozingen. Am Samstag, 11. August, kommen die Lastwagen mit den kulinarischen Köstlichkeiten wieder in die Kurstadt. Lola Hamui Heidel war mit ihrem Six-o-eight-Foodtruck im Vorjahr dabei und freut sich schon auf die zweite Ausgabe. Die Freiburger Burgerbraterin ist darüber hinaus seit einigen Jahren in der Szene unterwegs. Frank Schoch hat sich mit ihr unterhalten.

BZ: Was macht einen guten Foodtruck aus?
Heidel: Frische Produkte sind das Allerwichtigste. Und dass diese auch frisch im Foodtruck zubereitet werden. Diese Qualität schmeckt man einfach, das sage nicht nur ich, das sagen mir auch die Kunden. Dazu zählt etwa, dass ich das Fleisch und die Brötchen für die Burger jeden Tag vom Metzger beziehungsweise Bäcker bekomme. Und auch die Zwiebeln schälen wir alle selbst. Außerdem sollten der Truck und die Dekoration ansprechend und sauber sein. Und eine gewisse Abwechslung, auch hinsichtlich des kulinarischen Angebots, wird immer wieder gern angenommen.

BZ: Was zeichnet ein gutes Foodtruck-Fest aus?
Heidel: Mehrere Dinge, allen voran ein gut durchmischtes Angebot an Essen und Trinken. Aber auch das ein oder andere Plätzchen im Schatten kommt bei den Besuchern gut an. Auch für Kinder sollte kulinarisch etwas geboten sein, nicht nur Pommes. Daneben haben sich auch Hüpfburgen und andere Spielangebote bewährt. Das Wetter hingegen ist meiner Erfahrung nach – wenn es nicht gerade Dauerregen ist – kein entscheidender Faktor. Das Essen wiegt mehr.

BZ: Wie haben sich das Angebot und die Anbieter in den vergangenen Jahren verändert?
Heidel: Beide sind vor allem immer mehr geworden. Nachdem es in Südbaden 2015 nur ein oder zwei Foodtrucks gab, sind es nun in Freiburg annähernd zehn. Entsprechend reicht das Angebot von Burgern über Mexikanisches, Italienisches, Mediterranes und noch mehr. Dazu wurde vieles immer professioneller, sowohl hinsichtlich der Trucks, aber auch beim Essen, der Deko und der Sauberkeit. Eine gewisse Kreativität sollte man schon mitbringen.

BZ: Wie bewerten Sie die entstandene Konkurrenzsituation?
Heidel: Gar nicht als Konkurrenz. Wir sind untereinander vernetzt, haben einen gemeinsamen Stammtisch und helfen uns, wenn möglich, gegenseitig aus. So hat man auch frühzeitig mitbekommen, dass manche Foodtruck-Besitzer auch wieder aufgehört haben.

BZ: Woran liegt das?
Heidel: Die Arbeit bietet eine Menge Freiheit und Selbstständigkeit, ist aber eben auch sehr anstrengend. 14-Stunden-Tage sind eher die Regel als die Ausnahme. Ohne eine gewisse Erfahrung in der Gastronomie, kann da eine nicht so schöne Überraschung lauern.

BZ: Haben sich in den vergangenen Jahren auch die Kunden geändert?
Heidel: Es kommen nicht mehr nur Jüngere, die uns trendy finden. Wir zählen auch viele mittleren Alters zu unseren Kunden, die einfach die Qualität schätzen. Übrigens sind an manchen Tagen bis zu 80 Prozent unserer Kunden Stammkunden.
"Ich habe nirgends einen so großen Umsatz erzielt wie in Bad Krozingen."

BZ: Was empfehlen Sie Besuchern von Foodtruck-Festen?
Heidel:
Neugierig sein, um vielleicht auch etwas auszuprobieren, was man noch nicht gegessen hat.

BZ: Und genügend Zeit mitbringen?
Heidel: Klar, es dauert ein paar Minuten, bis die Gerichte fertig sind. Aber das ist einfach normal, wenn etwas frisch zubereitet wird. In einem Restaurant benötigt ein Essen ja auch eine gewisse Zeit. Deswegen sollte man auch Zeit mitbringen.

BZ: Gerade für Gruppen oder Familien ist es nicht leicht, auf den Festen gemeinsam zu essen. Zu unterschiedlich sind oft die Zubereitungs- und Wartezeiten.
Heidel: Da hilft es, das Essen zu teilen. Und dann das Nächste ausprobieren. So kommt man auch in den Genuss mehrerer Speisen.

BZ: Woher kommt die Foodtruck-Bewegung eigentlich?
Heidel: Wie der Name vermuten lässt, aus den USA. Allerdings sehe ich auch zu den Straßenküchen in Asien eine Verbindung. Auch dort wird das Essen frisch und vor den Augen der Kunden zubereitet.

BZ: In Südbaden erlebt die Szene derzeit einen Boom. Wie ist das in anderen Teilen Deutschlands?
Heidel: Angefangen hat alles in Berlin. Mittlerweile gibt es Zentren bei Nürnberg, von dort stammen etwa auch die Betreiber der unter Foodtruckern bekannten Webseite http://www.foodtrucks-deutschland.de Und auch in Nordrhein-Westfalen ist einiges los, was an der offeneren Mentalität dort liegt. Aber auch in Südbaden hat sich das Angebot auf einem guten Niveau etabliert.

BZ: Halten Sie die Szene nicht für eine Modeerscheinung?
Heidel: Nein. Das Essverhalten vieler Menschen hat sich einfach verändert. Foodtrucks sind eine echte Alternative zum Gang in die Kantine und sie sind nicht so teuer wie Restaurants. Statt zu Hause und eventuell allein zu essen, suchen viele den öffentlichen Raum und die Gesellschaft. Man bekommt ja gleichzeitig auch noch eine gewisse Unterhaltung geboten.

BZ: 2017 waren Sie mit Ihrem Foodtruck auch beim ersten Festival in Bad Krozingen. Was hat Ihnen besonders gut gefallen?
Heidel: Das Foodtruck-Fest in Bad Krozingen war ein Riesen-Erfolg. Es war einfach eine tolle Mischung an Kulinarischem, an Musik und an Unterhaltung.

BZ: Warum kamen so viele Besucher? Die Rede ist von rund 13 000.
Heidel: Da haben sicherlich mehrere Faktoren dazu beigetragen. Einerseits hat Bad Krozingen ein großes Einzugsgebiet mit kleineren Städten und Ortschaften, an denen solche Veranstaltungen nicht stattfinden. Und auch in Bad Krozingen selbst gibt es wohl nur wenig Vergleichbares. Und dann besuchen die Stadt ja auch einige Touristen.

BZ: Was kann aus Ihrer Sicht noch verbessert werden?
Heidel: Da fällt mir nichts ein. Die Organisation war enorm gut. Auch das Musikangebot stimmte, es herrschte einfach eine lockere Atmosphäre.

Info: Das Foodtruck-Fest von Badischer Zeitung und dem Bad Krozinger Gewerbeverband, unterstützt von der Stadt Bad Krozingen und der Kur und Bäder GmbH, findet am Samstag, 11. August, von 11 bis 20 Uhr in der Bad Krozinger Innenstadt statt.

Zur Person: Lola Heidel
Lola Hamui Heidel, 51, hat sich 2014 von der Food-Truck-Bewegung im amerikanischen Kalifornien und der asiatischen Straßenküche inspirieren lassen. Zurück in Deutschland hat die gelernte Kunsthistorikerin und Webdesignerin, die zuvor rund 15 Jahre mit ihrem Mann das Restaurant Hirschen in Merzhausen betrieben hatte, ihren ersten von mittlerweile drei Foodtrucks gekauft. Mit diesen bietet sie ihre Burger auf Festivals, als Catering und regelmäßig an verschiedenen, aber festen Standorten im Gebiet von Freiburg an. ran