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05. Juni 2009

Auch Bello braucht Platzreife

Paul darf keine Bälle jagen / Auf dem Golfplatz in Titisee können Hunde Benehmen lernen

  1. Aufmerksam beobachtet der Hund, was Frauchen mit dem Ball macht, Uwe Friedrich freut sich über das Ergebnis seiner Ausbildung. Foto: H. Simoneit

TITISEE-NEUSTADT. Wohin mit dem Vierbeiner, wenn Herrchen und Frauchen stundenlang von einem Abschlag zum nächsten wandern? Auf dem Golfplatz in Titisee sind Hunde ebenso willkommen wie Spieler. Hier können sie zudem bei einem Tiertrainer aus Löffingen richtiges Benehmen lernen.

"Der Schwarzwald ist eine Tourismusregion. Viele Gäste nehmen ihren Hund mit in den Urlaub. Wo sollen sie ihn lassen, wenn sie den ganzen Tag golfen?" fragt Klaus Trescher, der Vorsitzende des Golfclubs "Himmlische Hölle". Gutes Benehmen ist allerdings Pflicht. "Wenn ich sehe, dass Hunde frei auf dem Platz laufen, belehre ich die Hundehalter noch einmal, dass Leinenzwang herrscht. Verstoßen sie erneut dagegen, gibt es Platzverbot", erklärt Franz Lintz, der am Oberaltenweg für den Platz verantwortlich ist. Damit es nicht so weit kommt, sollten nach Expertenmeinung auch Hunde die Platzreife besitzen.

Paul und Sibylle Eilbert aus Herborn bei Frankfurt sind leidenschaftliche Golfer. Ebenso leidenschaftlich aber lieben sie ihren Mischling Paul, der in Spanien aus einer Tötungsstation gerettet wurde. "Als er zu uns kam, zuckte er bei jedem Geräusch zusammen", erinnert sich Frauchen Sibylle. Durch Zufall hörte sie von der Golfbegleithundeausbildung bei Uwe Friedrich, früher Diensthundeführer bei der Polizei in Stuttgart. 2008 gründete er in Löffingen das Hundezentrum "Teamcanin" (Tel. 07654-806118 oder kontakt@teamcanin.com) und macht seitdem Vierbeiner fit für alle möglichen Situationen. Wie im Alltag, lauern auch auf dem Golfplatz überall Ablenkungen. Fremde kommen auf den Hund zu und begrüßen Frauchen. Andere Tiere kreuzen seinen Weg, unzählige Geräusche dringen an seine empfindlichen Ohren. "Unerzogene Hunde stören andere Golfer", weiß Trainer Friedrich. Er kümmert sich intensiv in vier bis fünf Stunden um die Ausbildung und geht danach mit Hund und Besitzer über den Platz und gibt das Erlernte weiter. "Das halte ich für ein vernünftiges Angebot für Urlauber", freut sich Golfer Lothar Burghardt, Ex-Kurdirektor von Titisee-Neustadt. "Das Betreuungsangebot ist gut für die Gäste, aber auch für die Hunde, die Neues lernen."

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So ging es auch Mischling Paul, der seine Platzreife am Oberaltenweg machte. Entspannt am Wagen liegen, auf das Kommando "bleib" reagieren, anderen Lebewesen keine Beachtung schenken, das Einhalten der Prüfungskriterien beobachtete Uwe Friedrich ganz genau. Als nach dem ersten Abschlag eine Ente frech den Weg kreuzte, ging Prüfling Paul gleich in Stellung und beäugte das gelassene Treiben intensiv. Doch nach einem eindeutigen Kommando vom Frauchen entspannte er sich sichtlich und interessierte sich auch nicht für den Ausflug einer ganzen Entenfamilie, die wenig später zum Schwimmen an den Teich watschelte. "Mit Bravour die Platzreife bestanden", lobte Friedrich den Hund. Eines aber durfte er nicht: Verschlagene Bälle suchen. "Das wäre dann die nächste Stufe der Prüfung. Die Ausbildung dazu ist vergleichbar mit der Rauschgiftsuche der Spürhunde und extrem schwierig. "

Nähere Informationen unter www.teamcanin.com

Autor: Heidrun Simoneit