"Man weiß, wofür man gelernt hat"

Sophia Hesser

Von Sophia Hesser

Sa, 01. Oktober 2016

Kollektive

BZ-INTERVIEW mit DHBW-Student Raimonds Vanags und Michael Schirmeier, der vor 30 Jahren in Lörrach studierte.

Vor 30 Jahren hat er an der Berufsakademie in Lörrach sein Elektrotechnik-Studium begonnen. Heute heißt die Hochschule DHBW Lörrach, und Michael Schirmeier stellt als Geschäftsführer des Ingenieurbüros Livetec selbst Studenten ein, die Vorlesungen an der DHBW besuchen. Sophia

Hesser hat sich mit ihm und mit Raimonds Vanags, dem aktuellen Studenten bei Livetec, gesprochen.

BZ: An was aus Ihrer Studienzeit können Sie sich noch gut erinnern, Herr Schirmeier?
Schirmeier: Das Klassenmäßige beim Studium habe ich sehr genossen, denn für Hörsäle mit 400 Leuten bin ich nicht geeignet. Aber auch an das tolle Berufsakademie-Kino erinnere ich mich gerne. Es gab alles – von der Feuerzangenbowle bis zu typischen Studentenfilmen.

BZ: Warum haben Sie sich damals für das Studium entscheiden?
Schirmeier: Ich habe schon immer mit Elektronik gebastelt. Mit Medizintechnik hatte ich schon durch meinen Großvater Kontaktpunkte – er war Sanitäter im Zweiten Weltkrieg und auch da wurde schon Medizintechnik angewandt. Man verschloss Wunden mit elektrischer Spannung.
Vanags: Ich war eigentlich immer mehr der Künstler. Im Gymnasium in Lettland habe ich mir dann zum Ziel gesetzt, gut in Physik zu sein und hatte neben der Schule noch Privatunterricht. Auf einmal war ich der Beste in der Schule. Nach der Schule fing ich mit dem Elektrotechnik-Studium an. Als ich eine neue Herausforderung suchte, entschied ich mich für das Auslandssemester in Lörrach.

BZ: Warum sind Sie nach Lörrach gegangen und wollten dann bleiben?
Vanags: Die Praxis beim DHBW-Studium und der deutsche Abschluss waren ausschlaggebend. Während des Studiums in Lettland lernten wir viel Theorie, aber ich wusste nicht, wie das alles mit der Praxis zusammenhängt.
Schirmeier: In der Elektrotechnik ist der Praxisbezug sehr wichtig. Wir müssen etwas löten, zusammenbauen und steuern können. Technik, die in Geräten steckt, müssen wir verstehen können. In unserer Firma sind wir froh, wenn ein Ingenieur sofort nach seinem Abschluss einsetzbar ist, weil er schon immer in der Praxis gearbeitet hat. Ab dem ersten Tag sind die Studenten in der Fertigung, lernen die Geräte kennen und bekommen so ein Verständnis für die Produkte.

BZ: Warum stellen Sie duale Studenten ein?
Schirmeier: Wir stellen Studenten ein, weil wir sie so kennenlernen können. Wir treffen also eine Personalauswahl und überlegen, wer in unser Team passt. Der Student muss bei uns Aufgaben erfüllen, ist in Projekte involviert, arbeitet im Team mit den Kollegen, und wenn alles klappt, können die Studenten nach dem Abschluss gleich eingesetzt werden. Wir übernehmen die Studenten sehr gerne, denn sie kennen das Portfolio der Firma. Die Kosten und Mühen, die wir in die Studenten stecken, ist deshalb eine Investition in die Zukunft der Firma.

BZ: Auf welche Eigenschaften achten Sie bei Bewerbern besonders?
Schirmeier: Wir achten auf die Noten in den naturwissenschaftlichen Fächern – vor allem in Mathematik. Uns ist aber auch wichtig, was der Bewerber privat macht, ob er gerne bastelt und sich in Vereinen engagiert. Außerdem achten wir auf Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein in Bezug auf die eigenen Fähigkeiten. Viel hängt letztlich vom persönlichen Gespräch ab.

BZ: Herr Vanags, was können Sie in der Praxis umsetzen?
Vanags: Ich musste in der Firma mal einen Prüfadapter bauen. Schaltungstechnik habe ich an der Hochschule gelernt. In der Praxis habe ich dann den Plan entworfen. Ein erfahrener Ingenieur hat mich dabei unterstützt. Nachdem das entwickelte Gerät geprüft wurde, konnte es dann eingesetzt werden. Da weiß man, wofür man die Theorie gelernt hat.
Schirmeier: Wichtig ist bei der DHBW, dass man strukturiert arbeitet und seine Arbeit plant, da das Studium so straff ist. Strukturiertes Arbeiten, Informationsbeschaffung und betriebswirtschaftliche Komponenten habe ich schon damals beim Studium gelernt und kann es bis heute nutzen. Und – was immer wieder toll ist – obwohl sich Betriebssysteme heutzutage ständig ändern – die Grundlagen, also Mathe und Physik, bleiben immer gleich.

BZ: Können Sie Ihren Studenten denn Tipps mitgeben?
Schirmeier: Denke doch einfacher – den Tipp gebe ich immer. Außerdem lege ich all unseren Studenten nahe, dass sie zu Beginn des Studiums einen Mathevorkurs an der DHBW belegen. Den gab es schon zu meiner Studentenzeit. Mathe darf einen nicht schockieren. Die Grundlagen müssen einfach im Kopf sein, denn jede elektrotechnische Komponente basiert auf Mathematik.
Vanags: Auch die anderen Kollegen, die selbst an der Dualen Hochschule studiert haben, geben oft Tipps. Das ist schon sehr hilfreich.