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14. August 2012 10:09 Uhr

Baden-Württemberg

Mehr als 5 Milliarden: Sanierung der Hochschulen würde teuer

Der Gebäudebestand der Hochschulen im Land ist riesig – so auch der Sanierungsbedarf. Doch um alle Gebäude auf Vordermann zu bringen, reicht das Geld im Landesetat nicht aus.

  1. Hier entsteht die neue Bibliothek der Universität Freiburg. Foto: Ingo Schneider

Der Sanierungsstau an den baden-württembergischen Hochschulen und Unikliniken summiert sich laut Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) auf insgesamt fünf Milliarden Euro. Dieser Bedarf übertrifft sogar die Summe, die Finanzminister Nils Schmid (SPD) im Doppelhaushalt 2013/2014 fehlt – nämlich 3,17 Milliarden Euro. Dabei ist der Abbau des Sanierungsstaus an den Universitäten erklärtes Ziel der grün-roten Landesregierung.

"Dies ist eine Altlast der CDU/FDP-Vorgängerregierung." Theresia Bauer
"Bei uns kommt derzeit aber viel zu wenig davon an", sagt die Sprecherin der Heidelberger Universität, Marietta Fuhrmann-Koch. Auch an der noch jungen Universität Konstanz (Gründung 1966) gibt es mit 160 Millionen Euro bereits großen Sanierungsbedarf. Wie Kanzler Jens Apitz berichtet, macht vor allem der Fachbereich Biologie Sorgen: "Die Labors müssen komplett erneuert werden, die Technik ist total veraltet." Die Bibliothek wird derzeit von Asbest befreit – was den Abtransport von 1,5 Millionen Büchern zur Folge hatte.

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Vorwürfe wegen Verzögerungen in der grün-roten Sanierungspolitik weist Ministerin Bauer zurück: "Dies ist eine Altlast der CDU/FDP-Vorgängerregierung, die mit 200 Millionen Euro jährlich viel zu wenig Geld in Sanierung und Erhalt der Hochschulbauten gesteckt hat." Aber an den Universitäten interessieren solche Argumente nur bedingt: "Für die Sanierung unserer Aula und der Katakomben im Alten Schloss suchen wir nach einem privaten Investor", sagt Katja Bär, Sprecherin der Uni Mannheim. Hier sei die Renovierung besonders dringlich: "Als führende Hochschule der Wirtschaftswissenschaften kann man sich nicht mit einem Präsentationsraum zeigen, in dem es keine Technikausstattung gibt und die Lüftung nur schlecht funktioniert."

Sanierung ist auch in Freiburg ein Dauerthema

An der Universität Hohenheim stehen die Gewächshäuser kurz vor der Schließung, und die Universität Heidelberg hat den Sanierungsbedarf an ihren Gebäuden auf insgesamt 480 Millionen Euro veranschlagt. Sanierung ist auch an der Universität Freiburg mit ihren 350 Gebäuden (einschließlich Kliniken) ein Dauergeschäft.

An der Hochschule in Hohenheim fehlt ein höherer zweistelliger Millionenbetrag für die Gebäudesanierung. "Die Gewächshäuser sind marode, eines davon musste sogar schon geschlossen werden. Auch in den Tierwissenschaften ist die Arbeit deutlich eingeschränkt", sagt der Pressesprecher Florian Klebs. Die älteren, oft denkmalgeschützten Gebäude seien energetisch eine Katastrophe. Davon kann auch die Universität Ulm ein Lied singen: Ein Teil der Hochschule muss energetisch saniert werden. Denn unzureichend isolierte Fassaden treiben die Heizkosten von Deutschlands höchstgelegener Universität in die Höhe. "Auf 640 Meter Campus-Höhe ist es eben nochmal ein bisschen kälter als an anderen Unis", sagt der Ulmer Gebäudemanagementleiter Reiner Hausbeck.

Hohe Heizkosten durch große Energieverluste

Doch Grund für Neubauten sieht Hausbeck nicht: "Die Bausubstanz unserer Gebäude ist gut und sanieren ist um bis zu 75 Prozent günstiger als neu bauen." Nach diesem Muster läuft auch die Marschroute der grün-roten Landesregierung. Sanierung soll vor einem Neubau kommen.

Mit Energieverlust durch unzureichend isolierte Gebäude aus den 1960er und 1970er Jahren hat auch die Uni Heidelberg zu kämpfen. Die Skelettbauten haben durch einschalige Bauweise nur eine unzureichende Wärmedämmung. Auch die vielen Flachdachkonstruktionen sind sowohl energetisch als auch von der Dichtigkeit mangelhaft. Einen großen Vorteil in puncto Energiekosten hat das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), denn die in der Innenstadt gelegenen Gebäude auf dem südlichen Campus können mit Fernwärme versorgt werden. "Dennoch ist eine Sanierung der Gebäude aus den 1960er und 1970er Jahren nötig, um den Energieverbrauch zu senken", sagt KIT-Sprecherin Monika Landgraf. Dies sei teilweise in den vergangenen Jahren mit Geld vom Land und durch Sonderfinanzierungen bereits erfolgt. Aber der Sanierungsbedarf sei nach wie vor hoch. "Ein stärkeres Engagement des Bundes beim Hochschulbau wäre hier sinnvoll." An der Universität Tübingen werden aktuell in mehreren Fakultäten Neubauten angestrebt, anstatt Sanierung im laufenden Betrieb. So zum Beispiel in den Geowissenschaften, der Biochemie und der Mensa. Der Betrag des Sanierungsbedarfs kratzt in Tübingen mit 459 Millionen Euro immerhin auch knapp an der halben Milliarde Euro Marke – so wie in Heidelberg auch. Bei 173 von der Uni genutzten Gebäuden seien außerdem seit Jahren die Energiekosten gestiegen, sagt Sprecherin Michael Seifert.

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Autor: dpa