Mehr als nur Blutspendeaktionen

Sarah Schädler

Von Sarah Schädler

Fr, 26. Januar 2018

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

BZ-UMFRAGE: Das Deutsche Rote Kreuz hat viele Aufgaben, die Ehrenamtliche übernehmen – aber haben die Ortsvereine noch genug?.

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Das Symbol ist bekannt und steht für Hilfe in Notlagen: Das rote Kreuz auf weißem Grund sieht man auf Einsatzfahrzeugen, bei Blutspendeaktionen und in der Krankenpflege. Doch die Tätigkeiten des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) gehen weit über die medizinische Versorgung hinaus, wie die BZ in einer Umfrage bei den Ortsverbänden in Müllheim, Stegen und Löffingen erfuhr.

Für die Kinder-, Jugend- und Familienhilfe ist das DRK ebenso zuständig wie für interkulturelle Zusammenarbeit, Inklusion und Flüchtlingshilfe. Die Basis des Wohlfahrtsverbands bilden die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter, die den Menschen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Doch wie sieht es aus mit dem Ehrenamt? Wie entwickeln sich die Mitgliederzahlen und was unternehmen die Ortsvereine, um das Engagement des DRK weiterhin gewährleisten zu können?

"Wir können uns glücklich schätzen", sagt Gerlinde Engler, Geschäftsleiterin des DRK Müllheim. Personell gut aufgestellt seien sie im hiesigen Kreisverband. Arbeitskreise wie die Schnelleinsatzgruppe, die Notfallnachsorge, die Blutspende oder die Seniorenarbeit lebten von ehrenamtlicher Mitarbeit und tatkräftiger Unterstützung in allen Bereichen. Die schnelle Einsatzgruppe unterstützt den Rettungsdienst im sogenannten Großschadensfall und besteht aus rund 50 medizinisch ausgebildeten Mitarbeitern. "Wenn sich der Piepser meldet, sind unsere Leute sofort am Einsatzort", erklärt Engler. Auch der Notfallnachsorgedienst funktioniert auf ehrenamtlicher Basis. Mitarbeiter stehen Betroffenen in den Stunden nach einem Schicksalsschlag bei, sind da und hören zu. Die regelmäßig stattfindenden Blutspendetermine des DRK werden ausschließlich von ehrenamtlichen Helfern der Ortsvereine organisiert. "Unsere Mitarbeiter kümmern sich um die Anmeldung, die Blutabnahme sowie die Verpflegung der Spender." Doch nicht jeder möchte Pflaster kleben oder gleich eine medizinische Ausbildung machen. "Wer sich einbringen möchte, kann Kuchen backen, Mensch-ärgere-dich-nicht spielen oder ältere Menschen im Alltag unterstützen", betont Engler. Die Aufgaben sind vielfältig. Das DRK arbeitet auch mit Müllheimer Schulen zusammen. Bei Projekttagen werden Senioren von Schülern auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Wie bedient man einen Computer? Wie unterscheidet sich dieser vom Tablet? Was kann ein Smartphone? Das DRK entwickelt derzeit eine App, die das Nachbarschaftsverhältnis stärken sowie ältere und jüngere Menschen besser miteinander vernetzen soll.

Etwas kritischer sieht Matthias Reinbold, Ortsvorsitzender des DRK in Stegen, die Entwicklung des Ehrenamts. Obwohl der Ortsverband Stegen gut aufgestellt sei, werde es immer schwieriger, Nachwuchs zu bekommen. Zudem seien Einsätze am Tag schwieriger zu koordinieren, da die ehrenamtlichen Helfer häufig nicht im Ort lebten oder arbeiteten und damit längere Anfahrtswege in Kauf genommen werden müssten. "Früher waren die Leute im Dorf verfügbar und konnten gleich in den Einsatz gehen. Heute sind die Helfer verstreut und nicht in kurzer Zeit in der Garage, um die Fahrzeuge zu holen und zum Einsatz zu fahren", erklärt Reinbold. Eine Kooperation mit anderen Ortsvereinen soll dieser Entwicklung entgegenwirken. Werbemaßnahmen in Schulen, öffentliche Veranstaltungen sowie gemeinsame Freizeitaktivitäten, Ausflüge und medizinische Fortbildungsmöglichkeiten sollen Lust auf das Ehrenamt machen und den Zusammenhalt stärken. "Früher war man im Verein und ist dabeigeblieben", sagt Reinbold. Heute sei es vor allem wichtig, die jungen Menschen aus dem Jugendrotkreuz im Verein zu halten. Das sei auch deshalb schwierig, da die Anforderungen an das Ehrenamt immer vielfältiger würden. "Früher hat kein Mensch daran gedacht, dass man auch Geflüchtete betreut", erklärt Reinbold. Seit 2014 kümmert sich der Unterstützerkreis um ankommende Flüchtlinge, hilft ihnen beim Spracherwerb und unterstützt sie in administrativen Angelegenheiten.

Unterstützung beim Behördengang, beim Spracherwerb und bei täglichen Alltagshürden wie dem Kauf eines Bahntickets – auch der Flüchtlingshelferkreis des DRK Löffingen organisiert Spendenaktionen und Freizeitangebote für angekommene Flüchtlinge. Die Idee sei von außen an den Ortsverband herangetragen worden, sagt Manfred Lauble, Vorsitzender des DRK Löffingen. "Die Bereitschaft zu helfen war groß", betont Lauble. Spenden sammeln, Räume bereitstellen, Möbel transportieren: Das DRK hatte die Infrastruktur, um ein Projekt wie den Flüchtlingshelferkreis in die Tat umzusetzen. "Wir sind stets offen für Neues", erklärt Lauble. Dies sei auch ein Grund für das hohe Engagement der Ehrenamtlichen. Sogenannte First Responder sind in den ersten Minuten nach einem Unfall zur Stelle und übernehmen die Versorgung der Verletzten, andere Engagierte helfen beim Einkauf und bei Arztbesuchen, die Besuchshundegruppe macht sich den positiven Effekt des Tiers auf den Menschen zu nutzen.

Rund 100 aktive Mitglieder zählt der Ortsverein Löffingen. Natürlich könne die Mitgliederzahl noch höher sein, Probleme bereite auch das Finden neuer Vereinsvorsitzender. Doch mit diesen Themen kämpfe heute jeder Verein. Ehrenamtliches Engagement schluckt Zeit, fordert und ist nicht immer leicht mit Familie und Beruf in Einklang zu bringen. Doch "wenn Menschen sich und ihre Idee verwirklichen können, dann sind sie auch bereit, ehrenamtlich über ihre Grenzen hinauszugehen", betont Lauble.