Stilfrage

Darf ein Gastwirt das Dazusitzen verweigern?

Elisabeth Bonneau

Von Elisabeth Bonneau

Mo, 05. Februar 2018 um 12:09 Uhr

Gastronomie

Ein Restaurant zur Mittagszeit: Alle Tische sind besetzt, an einem sitzen aber nur zwei Leute. Sie sind einverstanden, neue Gäste dazusitzen zu lassen. Doch der Wirt sagt nein. Darf er das?

Wir, zwei Frauen, gingen mittags spontan in ein angesagtes Lokal. Es hieß, alle Tische seien besetzt beziehungsweise reserviert. An einem größeren Tisch waren aber zwei Plätze frei, die Gäste dort hatten auch nichts dagegen, dass wir uns dazusetzten. Der Restaurantleiter schickte uns trotzdem weg. War das nicht unverschämt?

Warum verzichtete der Restaurantleiter wohl auf den Umsatz zweier Gäste? Wurde da stur eine sinnlose Regel angewandt? Wäre er Männern gegenüber vielleicht kulanter gewesen, weil sie angeblich höherpreisige Speisen und Getränke wählen als Frauen?

Manchen Gästen kommt kein Nein über die Lippen

Eine Umfrage in der gehobenen Freiburger Gastronomie – wir sprechen hier nicht von Biergärten oder rustikalen Gasthäusern mit langen Tischen – ergab: Alles falsch. Der Hauptgrund liegt in dem, was da gerade am Tisch passiert.Wahrscheinlich hatten die beiden Anwesenden einen Tisch reserviert, wollten ungestört reden, wagten aber nicht, sich Ihrer dringenden/drängenden Bitte zu widersetzen. Es gibt Gäste, die zwar spontan "ja" sagen und sich später schriftlich bei der Restaurantleitung wegen der erlittenen Nötigung beschweren.

Andere Gründe verwiesen auf den Moment, in dem die zuerst anwesenden Gäste das Lokal verlassen. Möglicherweise ist so ein Tisch für eine weitere Gästegruppe reserviert. Oder das Lokal will verhindern, für zwei Personen eine größere Gruppe abweisen zu müssen. Auch die Hygiene spielt eine Rolle: Das Tischtuch für folgende Gäste kann nicht gewechselt werden, wenn andere dort sitzen. Die Organisation des Lokals ist ein weiterer Grund; ein Gast kann nicht überschauen, ob die Mitarbeiter/innen in Küche und Service nicht längst am Limit arbeiten.

Was auch immer bei Ihnen der Fall war: Der Profi-Gastgeber hat als Hausherr das Recht, die Spielregeln zu bestimmen. Sie haben das zu akzeptieren. Sie sollten es respektieren. Und künftig reservieren.
Die Autorin ist Kommunikationstrainerin
und lebt in Freiburg.