Verkauf eingeschränkt

Geht den Briten bald das Bier aus?

Peter Nonnenmacher

Von Peter Nonnenmacher

Mo, 02. Juli 2018 um 16:24 Uhr

Kolumnen (Sonstige)

Ein Mangel an Kohlensäure bringt britische Brauereien in die Bredouille: Das Bier wird knapp. Und das ausgerechnet zur Fußball-Weltmeisterschaft.

Seit Jahren klagen britische Pubs über rückläufige Besucherzahlen. Kein Wunder, dass die Wirte mit der Fußball-WM nun viele Hoffnungen verbinden. Bunt beflaggte Pub-Gärten laden überall zum Umtrunk. England ist sicher durch die Gruppenphase gekommen. Es gibt viel zu bereden. Und die gegenwärtige Hitzewelle treibt selbst durstige Briten, die keine Fußball-Fans sind, an die Zapfhähne.

Ausgerechnet jetzt aber stockt der Bierfluss – ist das zu fassen!? Zwei der größten Pub-Ketten des Königreichs, Weatherspoon und Ei, schlagen Alarm. Mancherorts in England ist kein John-Smith-Bitter, kein Strongbow-Cider, kein Glas Amstel mehr zu bekommen. Getränkegroßhändler Booker hat den Verkauf einiger Biere auf zehn Kästen pro Tag und pro beliefertem Kunden beschränkt. Grund für die Knappheit ist ein Mangel an Kohlensäure. Wegen Renovierungsarbeiten und Fabrikschließungen bei wichtigen Lieferanten auf dem Kontinent wie daheim fehlt es an dem Gas, mit dem Getränke versetzt werden. Experten befürchten, dass sich diese Krise noch wochenlang hinziehen kann.

Die Briten werden dazu angehalten, mal was Anderes zu trinken

Verzweifelt müht sich die Branche um Nachschub. "Wir machen Überstunden", beteuert der britische Verband für Biere und Pubs. "Wir arbeiten rund um die Uhr." Die Nachfrage selbst habe das Problem verschärft, ist aus einer Brauerei zu hören: "Der Fußball, das Wetter, all die Grillpartys haben zu einer Biernachfrage geführt, wie es sie sonst nur zu Weihnachten gibt." Bei der Bierindustrie appelliert man derweil an die Kundschaft, sich in der Hitze des Gefechts auf beste britische Tradition zu besinnen und kühlen Kopf zu bewahren. "Und warum nicht die Gelegenheit nutzen, um irgend was Neues auszuprobieren?"

Müssen jetzt auch die Deutschen um ihr Bierchen fürchten? Der Deutsche Brauer-Bund verspricht: "Es ist genug Bier für alle durstigen Kehlen da." Das Reinheitsgebot verbiete ohnehin den Zusatz von Kohlensäure, das Bier bekomme seinen Sprudel allein während der Gärung. Na, dann Prost!