Glosse

Ist die Deutsche Bank einem "Enkeltrickbetrüger" aufgesessen?

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Sa, 21. April 2018 um 15:18 Uhr

Wirtschaft

Die Deutsche Bank hat versehentlich und fälschlicherweise 28 Milliarden Euro überwiesen. Den Deutschbankern ist solch ein Klops nicht zum ersten Mal passiert.

Banker arbeiten – anders als normale Werktätige – bekanntlich bis zum Umfallen. Damit wird gern verteidigt, dass sie zu ihrem schmalen Festgehalt noch den einen oder anderen Bonus bekommen. Grundsätzlich geht uns das nichts an. Leider aber ist ein Arbeiten bis zum Umfallen nicht ohne Risiko auch für Dritte. So wäre es 2013 einem Rentner in Frankfurt beinahe zum Verhängnis geworden. Dessen Girokonto wollte die Volksbank mit einem Millionenbetrag belasten, nämlich 222 222 222,22 Euro.

Die originelle Summe erklärt sich damit, dass ein todmüder Volksbanker beim Einnicken mit dem Finger auf der "2" hängengeblieben war, was einem Controller, wie die Erbsenzähler der Branche heißen, aber noch rechtzeitig auffiel. Nicht so viel Glück hatte, wie die Finanzagentur Bloomberg jetzt meldet, ein anderes großes, derzeit ohnehin krisengeschütteltes Institut mit Sitz in Frankfurt. "Das Onlinebanking der Deutschen Bank", behauptet diese zwar auf ihrer Homepage, "ist außerordentlich sicher." Sicher, weil einsilbig bestätigt, ist allerdings auch, dass die Bank vor Ostern versehentlich 28 Milliarden Euro an die Terminbörse Eurex überwiesen hat.

Das entspricht dem Staatshaushalt des Landes Hessen von 2018 und liegt deutlich über dem Börsenwert dieses größten deutschen Kreditinstituts von aktuell 24 Milliarden Euro. Der "operationale Fehler", wird versichert, sei binnen Minuten bemerkt und korrigiert worden. Das passierte der Bank (Slogan "Vertrauen ist der Anfang von allem") freilich nicht zum ersten Mal. 2014 hatte schon einmal ein Deutschbanker per Tippfehler versehentlich fünf Milliarden Euro an einen Hedgefonds überwiesen. Das wurde erst nach einem Tag korrigiert und hat Kosten von 75 000 Euro verursacht – in diesem Haus auch Peanuts genannt. Was der neue Hin-und-her-Transfer kostet, war noch nicht zu erfahren. Einstweilen nämlich kämpft die Chefetage noch gegen das hartnäckige Gerücht aus Branchenkreisen an, sie sei bei dem "Fehler" in Wahrheit beinahe einem "Enkeltrickbetrüger" aufgesessen.