Mundart und Journalismus

MOMENT MAL: Fasnächtliche Sprachhürden

Karlheinz Schiedel

Von Karlheinz Schiedel

Mo, 05. Februar 2018

Liebe & Familie

"Dätsch mer emol e Kuchegable us’m Kuchikäschtle holle?" – Hä !? Klar, nicht alle Leser unserer Zeitung sind der alemannischen Mundart mächtig. Macht nix, ich auch nicht. Allerdings denke ich um die närrischen Tage herum nur ungern an meine Zeit als Lokalredakteur in dem als Fastnachtshochburg verschrienen Furtwangen zurück. Am Fasnetmendig verdonnerte mich der Chef alljährlich dazu, die sogenannte Elfimess journalistisch zu begleiten. Wobei es mir als "Neig’schmecktem" bestenfalls ansatzweise gelang, die im knackigen Schwarzwälder Dialekt gehaltenen Büttenreden zu dechiffrieren. Darunter litt nicht nur die Berichterstattung, sondern auch meine ohnehin leicht labile Laune. "Jetz guck emol Martha, da vorne sitzt di Schwiegersohn – mei, der macht e G’siiicht!", wurde einmal meine Schwiegermutter von einer Freundin ins Bild gesetzt. Voll peinlich! Gut, dass es da die nächste Generation besser hat. Unser Ältester wuchs zweisprachig auf, was ihn für die Leiterin des Dorfkindergartens absolut unentbehrlich machte. Ohne seine Dolmetscherdienste hätte die aus den neuen Bundesländern zugezogene Pädagogin im Stimmengewirr der einheimischen Buebe und Maidli nur Bahnhof verstanden. Nach dem Umzug in die Freiburger Gegend wurde es auch für mich einfacher mit dem Dialekt. Dort ist es nämlich wurschtegal, ob man in den örtlichen Supermarkt zum Einkaufen oder zum Iiikaufe geht/goht. Ah, welleweg!