Endstation Supermarktkasse

MOMENT MAL: Festplatte voll, Geldbeutel leer

Karlheinz Schiedel

Von Karlheinz Schiedel

Mo, 26. März 2018

Liebe & Familie

Früher war das Leben leichter. Ein paar vierstellige Telefonnummern (Freunde, Bekannte, Schulsekretariat), den ein oder anderen Geburtstag (Freunde, Verwandte), die Abfahrzeit des letzten Busses (damit die Freundin rechtzeitig nach Hause kommt) – mehr musste ich mir nicht merken, um halbwegs unfallfrei den Alltag zu bewältigen. Heute ist alles sehr viel komplizierter: In Zeiten von Handys, Geldautomaten und Online-Shopping mutiert die Festplatte unter der Schädeldecke zum Datenträger für Zahlenkolonnen und Zugangscodes. Dabei ist die Speicherkapazität des menschlichen Gehirns beschränkt. Auch zehren Alter, Bewegungsmangel und Alkoholgenuss am zerebralen Leistungsvermögen. So kam es neulich zu diesem peinlichen Zwischenfall an der Kasse des örtlichen Supermarktes: "Zahlen Sie mit Karte?", will die Kassiererin wissen. "Gerne", antworte ich. EC-Karte rein, Code eingeben, ein schriller Piepser durchdringt den Laden. "Falsche Geheimnummer. Moment." Die Frau wirkt genervt. Die Schlange vor der Kasse wird länger. Zwei Jugendliche feixen, eine andere Kundin rollt mit den Augen. Zweiter Versuch. Erneut das infernalische Piepsen. Verzweifeltes Suchen im Geldbeutel. "Oh Mann!", stöhnt die Dame. Schweißgebadet wache ich auf – es war alles nur ein böser Traum! Seither gehe ich aber nur noch mit prall gefülltem Portemonnaie ins Geschäft. Sicherheitshalber.