Schlechtes Gewissen

MOMENT MAL: Gefräßige Kollegen

Manuela Müller

Von Manuela Müller

Mo, 12. Februar 2018

Liebe & Familie

Manchmal kann ein schlechtes Gewissen eine herrliche Sache sein. Nur mit dem Wörtchen "Strich" kann ich dafür sorgen, dass die Kollegen den Kopf einziehen und schuldbewusst schauen. Die Erklärung: Wer aus unserer Abteilung Geburtstag hat, bringt für alle etwas zu essen mit. Und diese Leckereien stehen üblicherweise direkt vor meinem Büro. Dadurch habe ich – so meinen die Kollegen – den Überblick, wer sich wie oft am Kuchen bedient. Irgendwann wurde gemutmaßt, dass ich wohl eine Strichliste über die Gefräßigkeit in der Abteilung führen würde. Lustige Idee! Also erschrecke ich seitdem manchmal die Kollegen mit dem Wort "Strich" und male theatralisch einen auf meine Schreibtischunterlage. Bei allen springt im ersten Moment das schlechte Gewissen an. Im zweiten Moment folgen ein erleichtertes Lachen und ein: "Du wieder mit deiner Strichliste!" Dabei sollten die Kollegen gar kein schlechtes Gewissen haben. Schließlich ist es ein Kompliment an den Bäcker oder die Bäckerin, wenn man häufiger zugreift.

Zugreifen sollte ich jetzt aber auch schnell. Jemand Großzügiges hat nämlich so kurz vor der Fastenzeit die Süßigkeitenreste der Sternsingeraktion seiner Kinder vor meinem Büro platziert. Aber die gefräßigen Kollegen haben schon kräftig zugeschlagen. Heute war ich mit den Strichen einfach ein bisschen zu nachlässig.