Stilfrage: Genuss macht spendabel

Elisabeth Bonneau

Von Elisabeth Bonneau

Sa, 18. August 2018

Stilfrage

Bei Benefizkonzerten ist oft der Eintritt frei, doch es wird um Spenden gebeten. Ich beobachte immer wieder Besucher, die nach dem oft hochkarätigen Musikgenuss erhobenen Hauptes an den Sammelbüchsen vorbeigehen. Bisher habe ich mir einen Kommentar verkniffen. Aber das fällt mir zunehmend schwerer. Darf man da mal was sagen?

In Kinos gibt es seit geraumer Zeit Pay-After-Vorstellungen. Da erfahren die Besucherinnen und Besucher erst im Saal den Titel des Films, den sie sehen werden. Und sie zahlen erst nach der Vorstellung, und zwar den Preis, der ihnen für die Qualität des soeben gesehenen Films angemessen erscheint. Meist geht es hier um Vorpremieren, die Zuschauer sollen den Film bewerten und helfen so dem Kinobesitzer bei der Auswahl neuer Filme. Sie könnten also knickerig sein, weil durch ihre Meinung der Veranstalter einen Mehrwert erzielt.

Erstaunlicherweise berichten Organisatoren aber, dass sie danach mehr in der Kasse haben, als sie über den Ticketverkauf erzielt hätten. Offensichtlich gibt es keinen gesicherten direkten Zusammenhang zwischen Anonymität und Geiz. Eher macht Wertschätzung ("Ihre Meinung ist uns wichtig") spendabel. Anderswo lässt wohl die soziale Kontrolle (jeder kennt jeden, jeder sieht alles) das Geld locker sitzen: Bei Beerdigungen ignoriert kaum jemand das Spendenkörbchen.

Was können Konzertveranstalter daraus lernen? Sie können aktiver als bisher unmittelbar, bevor sie die Türen nach dem Konzert öffnen, auf das Kässchen am Ausgang hinweisen und explizit den ehrbaren Verwendungszweck nennen. Es können sich außerdem mehrere Veranstalter mit Sammelbüchsen und hoher kommunikativer Kompetenz so an den Ausgängen platzieren, dass man an ihnen schlecht "vorbeikommt".

Das dürfen Sie den Veranstaltern sagen. Besucher würde ich hingegen nicht ansprechen. Es gibt leider Menschen, die sich nur kostenfreie Konzerte leisten können.
Die Autorin ist Kommunikationstrainerin
und lebt in Freiburg.