Stilfrage: Trinkgeld zahlt sich aus

Elisabeth Bonneau

Von Elisabeth Bonneau

Sa, 23. Dezember 2017

Stilfrage

Lässt man im gehobenen Lokal die Mappe mit dem Trinkgeld beim Verlassen des Lokals einfach auf dem Tisch liegen? Ist es okay, eine Rechnung von 106 auf 120 Euro aufzurunden? Wie ist die Trinkgeldetikette beim Bezahlen per Kreditkarte?

In letzter Zeit häufen sich die Leserfragen zum Thema Trinkgeldgeben. Das dürfte die Dienstleister in der Gastronomie erfreuen, aber auch Frisöre, Taxifahrerinnen, Paketzusteller. Sie alle mussten nämlich in den vergangenen Jahren die Erfahrung machen, dass die Kundschaft immer verhaltener mit den kleinen Gaben wird und oft ganz auf sie verzichtet. Die Begründung: "Die bekommt doch ihr Gehalt." Oder "Der verdient doch so schon an mir." Oder gar "Mir wird auch nichts geschenkt."

Sie aber wollen auch in einem hochpreisigen Segment nicht auf eine noble Geste verzichten. Das ehrt Sie. Sie können im exklusiven Restaurant den Bruttobetrag mit der Bemerkung "stimmt so" oder "passt" oder "ist okay so" überreichen – wie in der Eisdiele.

Allerdings legen Sie das Geld nicht auf den Tisch, sondern in die Ledermappe, in der die Rechnung kam. Sie können sich – hier wie dort – das Rückgeld herausgeben lassen und alles oder einen Teil davon in Scheinen oder Münzen einfach liegen lassen, im Gourmetlokal in der Mappe.

Zahlen Sie mit Ihrer Kreditkarte, legen Sie das Trinkgeld gleich dazu oder später in die Mappe. Die zuständige Servicekraft nimmt das irgendwann an sich, spätestens sobald Sie den Tisch verlassen haben. Sie können das Trinkgeld auch über die Kreditkarte abrechnen; es wird bei der Mannschaft ankommen. Auf die individuelle Verteilung Ihrer Spende haben Sie niemals Einfluss, die regeln die Servicekräfte unter sich. Über fünf Prozent Trinkgeld freut man sich. Über zehn Prozent noch mehr. 15 Prozent ist äußerst großzügig. Mit der Großzügigkeit ist es übrigens wie mit jeder guten Tat: Sie kommt irgendwann zu einem selbst zurück.

Die Autorin ist Kommunikationstrainerin
und lebt in Freiburg.