UNTERM STRICH: Die Bahn macht Schmand ans Chili

Ronny Gert Bürckholdt

Von Ronny Gert Bürckholdt

Sa, 01. Dezember 2018

Kolumnen (Sonstige)

In den Bordrestaurants zeigt der Konzern seinen Reformwillen / Von Ronny Gert Bürckholdt.

Im Speisewagen der Deutschen Bahn tobt das Leben, vor allem freitags. Die Touristengruppe aus Fernost wird beim Bier gesprächig. Geschäftsleute mit Klapprechner können nicht mehr gescheit arbeiten. Also tun sie es den Chinesen sowie dem heimreisenden, ostdeutschen Montagearbeiter gleich und machen früh Wochenende. Kaum zu glauben, dass die Bahnvorstände einst erwogen haben, die Bordrestaurants abzuschaffen und damit einen besonderen Ort voll eigentümlicher Geselligkeit. Gut, dass es anders kam.

Umso ärgerlicher, wenn man sich vor Fahrtantritt schon beim geübten Blick auf den Wagenstandsanzeiger darauf einstellt, im ICE bei Chili con Carne zu entspannen, aber dann ist das Chili aus. Oder das Bordrestaurant hat wegen logistischer Probleme nur Tee und Milchreis. So macht Zugfahren halb so viel Spaß. Man hätte gleich das Auto nehmen können.

Jetzt kommt diese zunächst schockierende Nachricht: Die Bahn hat ihr Angebot in ihren Bordrestaurants und Bistros überarbeitet. Die Manager werden doch nicht etwa das Chili gestrichen haben und auf diese penetrante Alles-vegan- und Alles-voll-gesund-Welle aufspringen?

Von diesem Samstag an wird es in deutschen Zügen tatsächlich mehr Veganes geben, aber nein, das Chili bleibt. Es wird fortan gar mit einem Klecks Schmand gereicht, verspricht der Konzern. Wenn die Züge einfach nicht pünktlich sein wollen, so will man den Gästen wohl wenigstens die Wartezeit behaglicher gestalten.

Auf der Speisekarte sollen weniger Gerichte stehen, damit diese nicht so schnell ausgehen. Wer mag, darf künftig selbst als Krauter in der 2. Klasse alle Speisen mit an seinen Platz nehmen. Der Kaffee verbilligt sich um 50 Cent auf 2,50 Euro; überhaupt sollen bei vielen Produkten die Preise "bei gleichbleibender Qualität" sinken. Wo gibt’s denn sowas? Kaum zu glauben ist auch die Tatsache, dass die Bedienung in Freundlichkeit geschult wird. Bei der Bahn sollten sie aber schon darauf achten, den Gast nicht mit zu vielen Innovationen zu überfordern.