UNTERM STRICH: Die Ehre des Siegfried Tittmann

Eckhard Stengel

Von Eckhard Stengel

Do, 17. November 2016

Kolumnen (Sonstige)

Ein Ex-DVU-Funktionär will sich Titel und Geld einklagen / Von Eckhard Stengel.

Die größten Kritiker der Elche wären gerne selber welche: Als der Bremerhavener Siegfried Tittmann einst im örtlichen Stadtparlament die Fraktion der rechtsextremen Deutschen Volksunion (DVU) anführte, da wetterte er gegen den "Ehrensold", den die Stadt an ausgeschiedene verdiente Ratsmitglieder (Stadtälteste) zahlt. Das war 1995. Als er 2011 nicht mehr wiedergewählt wurde, forderte er prompt nun auch für sich den Ehrentitel Stadtältester samt Ehrensold, laut Parlamentsverwaltung damals 230 Euro pro Monat. Weil die Stadtverordnetenversammlung ihm die Ehrbezeugung versagte, zog er vor Gericht. In erster Instanz blieb er erfolglos.

Jetzt musste sich als Berufungsinstanz das Bremer Oberverwaltungsgericht (OVG) mit dem Ansinnen des 62-Jährigen befassen, der auch schon DVU-Vizeparteichef war und jahrelang im Bremer Landtag saß. Die Richter vertieften sich zunächst in die Bremerhavener Stadtverfassung. Ihr zufolge gebühren der Titel Stadtältester – und in der Regel auch der Ehrensold – jedem nach zwanzig Jahren ausscheidenden Ratsmitglied, wenn "die Tätigkeit ohne Tadel ausgeübt" wurde.

Zwanzig Jahre im Amt: Diese Bedingung hatte Siegfried Tittmann zweifelsfrei erfüllt. Aber ohne Tadel? Davon könne keine Rede sein, hatte das Stadtparlament 2011 entschieden. Zum Beispiel habe Tittmann Ausländer ausgegrenzt und Parlamentskollegen als Lügner beschimpft. Das sei eine plausible und nicht willkürliche Begründung, urteilte schließlich das Oberverwaltungsgericht. Die Stadt dürfe selbst entscheiden, wen sie "sozusagen in der Ahnengalerie aufhängt" , sagte der Gerichtsvorsitzende.

Der Kläger (Wahlslogan: "Ein Mann. Ein Wort. Ein Tittmann") hatte vergeblich versucht, die Richter von seiner Ehrenhaftigkeit zu überzeugen. Er sei weder ein Nazi noch vorbestraft. Nicht auszuschließen, dass er weiter durch die Instanzen zieht, damit er doch noch vom mehr oder weniger verachteten Staat geehrt und alimentiert wird.