UNTERM STRICH: Die Kuh, die Saboteurin

Dominik Bloedner

Von Dominik Bloedner

Mi, 03. Januar 2018

Südwest

Um ein Haar hätte das Arbeitsjahr 2018 nicht begonnen / Von Dominik Bloedner.

Die gute Nachricht zuerst: Die Bahngleise sind dieses Mal nicht abgesackt. Keine Selbstverständlichkeit, zwischen Rastatt und Baden-Baden können sie ja Arien davon singen. Beinahe hätten noch Hunderte neujahrsmüde und mehr oder weniger arbeitsunwillige Berufspendler an diesem frühen Dienstagmorgen eine weitere gute Nachricht per Durchsage vernommen: "Wir kehren wieder um. Gehen Sie unverzüglich nach Hause ins kuschelige Bett zu Ihren Lieben." Und den Mitarbeitern in den Betrieben entlang dieser so wichtigen Nord-Süd-Verbindungen für den europäischen Schienenverkehr hätte man gemailt: "Die Güter für Eure Just-in-time-Produktion kommen nicht. Die Arbeit fällt heute aus. Machen auch Sie stattdessen andere hübsche Sachen."

Es sollte dann aber anders kommen. Zwar sagte der Zugführer, nachdem er, die nächste gute Nachricht, seinen ICE zwischen Bühl und Ottersweier abrupt gebremst und eben nicht Vollgas gegeben hatte: "Bitte jetzt nicht lachen: Wir stehen hier nun direkt vor dieser Kuh. Es ist nicht bekannt, wie die sich hier nun wegbewegt oder wann. Wir warten daher erstmal ab." Die Fahrgäste lachten trotzdem, das macht man so bei Bahndurchsagen, da muss nicht einmal ein "Senk ju vor träwelling" herausgehauen werden. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Doch irgendwann setzten sich die Züge – insgesamt vierzehn verspäteten sich und drei mussten gar umgeleitet werden – dann wieder in Bewegung und brachten müde Menschen zu ihren mitunter ermüdenden Verrichtungen. Der kurze Winter der Anarchie, er ging recht schnell vorüber. Mit einem Schuss, und das ist dann die schlechte Nachricht.

Denn jene Kuh, deren liebloser Besitzer ihr nicht einmal einen Namen gegeben hatte, sondern nur eine Registriernummer für den Bühler Schlachthof, und die eben auch nicht Dienst nach Vorschrift machen wollte und vor ihrem Henker ausgebüxt war, jene Fast-Saboteurin, sie fand den Tod im Gleisbett. Der Schütze hat eben seinen Job erledigen müssen.