UNTERM STRICH: Ein Pferdehalfter an der Wand

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Di, 05. Dezember 2017

Kolumnen (Sonstige)

Wo Reittier und Halter sich in Würde verabschieden können / Von Stefan Hupka.

Winnetou hing – wie die meisten guten Reiter – sehr an seinem Pferd. Das wissen wir von Karl May, dem alten Geschichtenerfinder. Deshalb sagte der tödlich getroffene Apatschenhäuptling in der Stunde des Abschieds zu seinem Freund Shatterhand, genannt Scharlih: "Begrabe mich in den Gros-Ventre-Bergen, an dem Ufer des Metsurflusses, auf meinem Pferde und mit allen meinen Waffen, auch mit meiner Silberbüchse, die in keine anderen Hände kommen soll." Wir wollen uns, wenn die Tränen wieder getrocknet sind, nicht bei Zweifeln aufhalten, ob Iltschi, so hieß das Pferd, seine Einwilligung gab, sondern fragen: Was tun, wenn nicht der Reiter, sondern das Pferd als erstes gehen muss – und das in Mitteleuropa und nicht im menschenleeren Wyoming? Hier hat der Bundesrat sich 2016 ein Herz gefasst und das "Gesetz zur Änderung des Tierische Nebenprodukte-Beseitigungsgesetzes" verabschiedet. Seither muss ein totes Pferd nicht mehr in den Schlachthof oder in die Tierkörperbeseitigungsanstalt – was für den Halter des treuen Gefährten gewiss eine rabenschwarze Vorstellung ist, nach so vielen Jahren der Symbiose.

Denn nun können Reiter und Halter sich auch in Deutschland in Würde von ihrem Pferd verabschieden – im bundesweit ersten Krematorium für Pferde, das an diesem Montag in Schwäbisch Hall seine, nun ja, Luken geöffnet hat. "Für Viele sind Tiere fast ein Familienmitglied", sagt Firmenchefin Sandra Lutz. Und Agrarminister Christian Schmidt (CSU), der nach seinem Parforceritt neulich in Brüssel ja einiges wiedergutzumachen hat, ergänzt: "Mit der Änderung kommen wir dem Wunsch vieler Pferdehalter nach."

Die Betreiber bieten, wie dpa mitteilt, eine individuelle Zeremonie mit Kerzen und Musik an. Von einer Lounge aus können die Besitzer durch ein Glasfenster auf die Ofenanlage schauen. Unser Plattentipp wäre: "Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand" in der Version von Ronny. Für den Kaminsims daheim, warnt Frau Lutz, eigne sich die Urne jedoch nicht. Die Hinterlassenschaft wiegt um die 30 Kilo.