UNTERM STRICH: Glückliches Land

Karl-Heinz Fesenmeier

Von Karl-Heinz Fesenmeier

Di, 03. Juli 2018

Kolumnen (Sonstige)

Ein Beschluss lässt Australier in Rage geraten / Von Karl-Heinz Fesenmeier.

Wenn es irgendwo locker zugeht, die Menschen cool sind wie Whisky on the rocks und sich bei der Begrüßung mit "G’day, mate" ankumpeln, dann ist es in Australien. Nichts, dachten wir, kann die Leute dort aus der Ruhe bringen. Sie liegen entspannt am Strand, obwohl es in den Dünen hinter ihnen nur so von Schlangen wimmelt. Sie steigen ins Wasser, auch wenn draußen im Meer gerade mal wieder Haie kreuzen. Und wenn sie erst mal auf "Barbie" sind – das ist der Zustand, wenn kiloweise Fleisch auf dem Grill brutzelt und ein Paar Kästen Bier in Griffnähe rumstehen – dann wirken sie so glücklich wie ihre geliebten Koalabären, wenn sie auf den Bäumen rumhängen.

Doch mitten in diese idyllischen Vorstellungen von "lucky country" platzt eine verstörende Nachricht. Viele Australier, so heißt es da, seien angesichts eines umweltpolitischen Beschlusses völlig außer sich geraten, hätten in Supermärkten übel rumgeschimpft und einer sei sogar einer Kassiererin an den Hals gegangen. Was ist geschehen? Die beiden großen Supermarktketten Woolworths und Coles haben die kostenlosen Einwegplastiktüten durch wiederverwertbare Taschen ersetzt. Eine kostet 15 Cent (knapp zehn europäische Cent). Auf die spontane Umfrage der Handelsgewerkschaft haben sich 141 Supermarktangestellte gemeldet. 61 von ihnen gaben an, von wütenden Kunden verbal und auch körperlich angegriffen worden zu sein. Manche hätten die Waren auf den Boden geworfen, andere drohten, in die Tüten zu kotzen.

Gibt es in einem so reichen Land wirklich keine andere Lösung? Wieso verschenken die Aussies nicht Vielwegtüten aus dort üppig nachwachsenden Rohstoffen wie, sagen wir mal, Schlangen und Krokodilen? Müssten ja nicht von Lacoste sein. Und würden das Land sicherer machen, gerade auch für Touristen. Doch aus Angst vor bösen Leserbriefen verwerfen wir den Gedanken lieber ganz schnell. Dann bleibt halt die Erkenntnis, dass wer sich über Tüten so ärgern kann, wirklich in einem glücklichen Land leben muss.