UNTERM STRICH: Größer, schneller, dümmer

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Mo, 30. Juli 2018

Kolumnen (Sonstige)

Warum Künstliche Intelligenz ein segensreicher Fortschritt sein wird / Von Stefan Hupka.

Wir werden immer größer, jeden Tag ein Stück – nicht nur Kinder, der Mensch insgesamt. Einen Zentimeter ist er in zwanzig Jahren wieder gewachsen in den Industrieländern, statistisch. Er wird auch immer älter und immer schneller. Bald schafft er die hundert Meter in neun Sekunden und den Marathon in zwei Stunden. Nun die schlechte Nachricht: Leider wird er auch immer dümmer. Den Verdacht haben Menschen, die regelmäßig Nachrichten hören, schon länger. Auch Unterhaltungsbranche, Straßenverkehr und Arbeitswelt geben Belege her.

Aber: Es ist mehr als nur der bekannte Stoßseufzer grantelnder Bildungsbürger – es ist erforscht! In den 1970er-Jahren muss es passiert sein, wie man rekonstruieren konnte. Da wurde der neuseeländische Sozialforscher James Robert Flynn irgendwann widerlegt. Von ihm stammt der Flynn-Effekt, der besagt, dass die Menschen in den entwickelten Ländern der westlichen Welt immer intelligenter werden. Messbar, denn ihr durchschnittlicher Intelligenzquotient ist stetig gestiegen – hatte Flynn ermittelt.

Aber er steigt nicht mehr, er stagniert auch nicht. Nein, er sinkt, und das schon länger. So haben Forscher in Norwegen, einem in vieler Hinsicht mustergültigen Land, die Intelligenztests von 800 000 jungen Männern verglichen, die zwischen 1962 und 1991 geboren wurden und zum Wehrdienst sollten. Vom Geburtsjahrgang 1975 an geht der IQ zurück, wenn auch nicht dramatisch. Aus anderen Ländern wird ähnliches berichtet. Warum, weiß man noch nicht. Mal überlegen. War das nicht zufällig die Zeit, als die Rocky Horror Picture Show aufkam? Oder die reformierte Oberstufe?

Egal. Jetzt heißt es nach vorn denken. Es kann ja sowieso nicht alles immer weiterwachsen, sagen die Wachstumskritiker. Wie gut, dass die verbliebenen Intelligenzbestien so energisch an der Künstlichen Intelligenz arbeiten. Dann kann der Mensch irgendwann auch einmal das Denken delegieren – wenigstens an diesen heißen Sommernachmittagen.