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13. November 2017

UNTERM STRICH: Kohle für Kohle

Bis ans Lebensende: Den Bergleuten geht es ums Deputat / Von Johannes Adam.

Opa mütterlicherseits war Bergmann. Daher erhielt er im Saarland Deputatkohle – also kostenlose Kohle, um damit zu heizen. Auch nach seiner Pensionierung blieb das so. Und nach Opas Tod konnte Oma weiter vom Gratis-Brennstoff profitieren. Als sie auf Ölfeuerung umgestellt hatte, wurde der jährliche Kohleanspruch mit einem Geldbetrag beglichen.

In Bergbau-Regionen wie im Ruhrgebiet und an der Saar hat die Deputatkohle Tradition. Jedem ausgeschiedenen Bergmann stehen pro Jahr 2,5 Tonnen Kohle als Bestandteil der Rente zu. Aktive Kumpel, von denen es heute ja nicht mehr so viele gibt, erhalten sieben Tonnen. Kranke Kollegen durften sich, wenn vom Arzt verordnet, bis 2015 noch über eine Zusatz-Tonne, die "Attest-Tonne", freuen. Wer indes die Kohle staubfrei von der Bank favorisiert, bekommt 122,20 Euro pro Tonne als "Energiebeihilfe". Auf dem Weltmarkt kostet die Tonne 400 Euro.

An der Ruhr ist die Deputatkohle jetzt zum Reizthema geworden. Dort ist, wie im Saarland bereits geschehen, wo der Steinkohlebergbau nach 250 Jahren im Sommer 2012 liquidiert wurde, mit der Förderung Ende 2018 Schluss. Daher kam die Ruhrkohle AG (RAG) auf den naheliegenden Trichter, die Deputatkohle zu kippen und alle circa 100 000 Empfänger mit einer Einmalzahlung abzufinden. Doch damit wollen sich die Kumpel keinesfalls abspeisen lassen. Rund 400 Bergbau-Rentner zogen in Hamm vor Gericht. "Uns wurde versprochen, dass wir bis ans Lebensende Kohle bekommen", schimpft ein ehemaliger Steiger. Die Aussichten allerdings sind eher trüb. Weil es nach 2018 keinen mit Steuermilliarden subventionierten Steinkohlebergbau mehr gibt, will die RAG Kohle nicht mehr als Naturalie liefern. Nach Meinung der Betroffenen soll die RAG die Kohle fürs Deputat auf dem Weltmarkt kaufen...

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Fakt ist: Die Bergleute fordern Kohle, die RAG aber hat bald keine mehr. Anspruch trifft auf leere Menge. Die Kohle, das schwarze Gold, wird zum Zündstoff. Ganz gleich, ob mit oder ohne Attest.

Autor: jad