UNTERM STRICH: Von Pionieren und Aufschneidern

Moritz Lehmann

Von Moritz Lehmann

Do, 21. Dezember 2017

Kolumnen (Sonstige)

Erfinder müssen aufpassen, dass keiner ihre Lorbeeren entwendet / Von Moritz Lehmann.

"Wer hat’s erfunden?" In einem Werbespot reiste mit dieser Frage im Gepäck ein kleiner blonder Mann mit Anzug und Krawatte um die Welt. Seine Mission: Finnen, Mexikaner und Chinesen, die sich mit der Erfindung des Ricola-Kräuterbonbons brüsten, daran zu erinnern, wer dieses wirklich erfunden hat. "Die Schweizer", lautete stets die kleinlaute Antwort. Aber erst, nachdem der kleine blonde Mann nachgeholfen hatte. Etwa, indem er dem bärtigen Finnen, der in der Sauna zu Unrecht mit der schweizerischen Erfindung geprahlt hatte, energisch am Handtuch zupfte.

Auch außerhalb von Werbespots muss manchmal daran erinnert werden, von wem bestimmte Erfindungen tatsächlich stammen. Zum Beispiel der Panama-Hut. Das Stroh, aus dem der Original-Panama-Hut gemacht ist, gibt es aber nur in Ecuador. Eine Theorie besagt, dass dieses Missverständnis bereits mit Napoleon III. seinen Anfang nahm. Schuld ist demnach die strategisch günstige Lage Panamas. Der für Napoleon gedachte Hut wurde von Panama aus verschifft – und seine Verpackung mit einem entsprechenden Poststempel versehen. Als dann auch noch US-Präsident Roosevelt, Pressefotografen im Schlepptau, bei einer Besichtigung des Panama-Kanals einen solchen Hut auf dem Kopf trug, war der Hut für die Ecuadorianer endgültig verloren.

Dass ihnen Ähnliches passiert, wollen die Menschen in Lettland unbedingt verhindern. Im Jahr 1510, noch früher als im Elsass, soll dort die erste öffentlich geschmückte Tanne aufgestellt worden sein. In der Hauptstadt Riga wird daher jährlich die Aufstellung des Weihnachtsbaumes im Dezember am Rathausplatz zelebriert. Im Nachbarland Estland sieht man das jedoch völlig anders: Bereits 71 Jahre zuvor sei dort ein "Leuchterbaum" aufgestellt worden, behauptet man in der Hauptstadt Tallinn. Ob es sich dabei aber wirklich um einen Weihnachtsbaum oder nur um eine schnöde Holzkonstruktion handelte, verraten die historischen Quellen allerdings nicht.