Unterm Strich

Warum die Polizei von falschen Notrufen genervt ist

Ronny Gert Bürckholdt

Von Ronny Gert Bürckholdt

Di, 22. November 2016

Kolumnen (Sonstige)

110 hilft doch immer / Von Ronny Gert Bürckholdt

Am Samstagabend habe ich den Polizeinotruf gewählt. Dass ich das öffentlich bekenne, hat einen guten Grund. Ich liege kurz nach zehn Uhr abends auf dem Sofa, als ich im Flur das Licht einer Lampe wahrnehme. Offenkundig eine Taschenlampe. Die leuchtet von außen durch das Milchglasfenster in der Eingangstür. Späht da jemand meine Tür aus? Ich springe hoch, stürze zur Tür. Das Licht entfernt sich schnell. Ich wähle 110. Falls Einbrecher unterwegs sind, will ich keine Zeit verlieren. Eine freundliche Frau am Polizeinotruf stellt mir Fragen, etwa, ob ich jemanden gesehen habe oder noch sehe.

Ich verneine, und mir beginnt, mein peinlicher Auftritt gewahr zu werden. Ich sah ja nur ein Licht. Die Dame sagt, sie schicke mal einen Streifenwagen. Auf dem Weg zurück zur Couch die Erkenntnis: Das war der Zeitungsausträger, der mir das Sonntagsblatt seit Wochen immer schon samstags gegen zehn bringt. Da steckt es ja im Briefkasten! Der Mann hatte wohl eine Stirnlampe auf. Wieder Anruf bei der Polizei: Aufklärung, Entschuldigung, wie peinlich, die Dame lacht, wünscht einen ruhigen Abend, ich auch.

Zu meiner Verteidigung sei gesagt: Es gibt ganz andere Kaliber, die grundlos 110 wählen. Die Berliner Polizei hat daher jetzt eine einwöchige Kampagne gegen überflüssige Notrufe gestartet (Motto: NoNotruf). Bei jedem vierten 110 gebe es keinen Grund für einen Einsatz. Das verstopft die Leitungen, führt zu Wartezeiten im Ernstfall. In den sozialen Medien veröffentlichte die Polizei nun skurrile Anrufe. Einer sagte: "Mir ist eine Katze zugelaufen. Wollte fragen, ob die jemand vermisst." Ein anderer: "Können Sie mir sagen, wo das Amtsgericht Tiergarten ist? Meine Schwiegertochter will an mein Erbe." Oder: "Der Ladenbetreiber will meine Pfandflaschen nicht annehmen. Der muss die doch zurücknehmen."

In meinem Fall versuchte die Polizistin sogar noch, mir mein schlechtes Gewissen zu nehmen, indem sie sagte: "Na ja, lieber einmal zu viel angerufen." Ich sehe das rückblickend ganz anders.