Freiburg Festival

ANGERISSEN: Neuer Name – neues Profil?

Bettina Schulte

Von Bettina Schulte

Mi, 20. Juni 2018

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Man kann es so sehen: Das gerade beendete Freiburg Festival hat mit zehn internationalen Gastspielen aus Estland, China, der Schweiz, Italien, Ägypten, Belgien, Brasilien, Dänemark und Norwegen hervorragend zum "Weltempfang"-Konzept des Freiburger Theaters gepasst. Unter dem neuen Intendanten Peter Carp hat sich das Haus deutlich stärker engagiert als unter dessen Vorgängerin Barbara Mundel: Nicht umsonst fanden die Eröffnung im Großen Haus und die Party danach im Foyer statt; nicht umsonst war mit der Dramaturgin Tamina Theiß eine Spezialistin für die freie Szene neu an Bord des Kuratorinnenteams, dem mit Laila Koller vom E-Werk und Sonja Karadza vom Theater im Marienbad außerdem zwei sehr erfahrene Festivalmacherinnen angehörten.

Die künstlerisch hohe Qualität aller Aufführungen steht außer Frage. Und auch die Zahlen können sich einigermaßen sehen lassen. Nach leicht schleppendem Beginn zogen sie noch an: Das Festival erreichte am Ende knapp 3900 Besucher gegenüber fast 4600 bei der Ausgabe 2016. 700 Tickets weniger: Das ist kein Drama, aber auch kein Sensationserfolg. Einige Gastspiele blieben weit unter ihren Möglichkeiten: die fabelhafte Performance "Minorities" aus China etwa war leider nur schwach besucht. Auch Christiane Jatahys großartiger Version von Tschechows "Drei Schwestern" hätte man wahrlich mehr Zuschauer gewünscht. Dafür lief es gut mit den zuschauerträchtigen Aufführungen im Großen Haus: Sowohl "Filth" als auch das herausragende Gastspiel von Peeping Tom waren sehr gut verkauft. Der größte Renner war "Zucken" vom Jungen Theater Basel, eine Koproduktion mit dem Berliner Gorki Theater: lange Wartelisten im Marienbad.

Kann man daraus Schlüsse ziehen? Wohl eher weniger. Vielleicht war der Zeitpunkt knapp nach den Pfingstferien, während denen Freiburg Jahr für Jahr in Dauerschlaf fällt, nicht der beste. Vielleicht ist der neue Namen zu beliebig gewählt. Freiburg Festival: Dahinter kann sich zwischen Volksmusik und Ballett nun wirklich alles verbergen. Die Organisatoren halten in ihrer Bilanz dagegen. Neben dem neuen Namen habe das Festival auch ein neues Profil gewonnen. Man könnte allenfalls sagen: trotz des Namens.