Fehlstart für die Neue

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Do, 22. November 2012

Kommentare

Bei der Neubesetzung der Toto-Lotto-Spitze machte Finanzminister Nils Schmid keine gute Figur.

So etwas nennt man wohl einen misslungenen Start: Formell noch nicht einmal im Amt der neuen Geschäftsführerin bei Toto-Lotto Baden-Württemberg bestätigt, weht Marion Caspers-Merk schon der kalte Wind des Protestes um die Nase. Verantwortlich für den Fehlstart ist Finanzminister Nils Schmid.

Zumindest vorläufig am wenigstens zu kritisieren gibt es dabei an der Personalauswahl selbst. Die ehemalige Staatssekretärin im Gesundheitsministerium hat sich bisher kaum als Expertin für das Geschäft mit dem Glücksspiel zu erkennen gegeben, aber das besagt wenig. Sie war nicht als Drogenexpertin bekannt und wurde doch eine anerkannte Drogenbeauftragte, die anschließend als Staatssekretärin auch das überaus komplizierte Terrain des Gesundheitswesens beackert hat. Dass sie auch Lotto kann, muss sie noch beweisen. Eine Person mit Kenntnissen im Bereich Suchtbekämpfung auf diesem Posten zu haben, ist kein Unglück. Sie hat eine Chance verdient.

Die wäre größer, hätte ihr Parteifreund Schmid ihr diese nicht teilweise verbaut. Verbaut zum einen durch die Art der Berufung. Warum Schmid die Stelle nicht ausgeschrieben hat, ließ er auch am Mittwoch unbeantwortet. Es sei eben nicht erforderlich. Formal mag das stimmen, aber deshalb ist es noch nicht klug. Die Bewerberlage zu sichten, kann nicht schaden. Und es gibt den Grundsatz, Demokratie legitimiere sich unter anderem durch Verfahren. Zumal Schmids SPD von den Oppositionsbänken einst der Union gerne Pöstchenschieberei unterstellt hat. Nun ist Caspers-Merk kein Versorgungsfall, weil sie nicht entsorgt werden musste, sondern reaktiviert wurde. Dennoch sollte, wer einen neuen Politikstil propagiert, diesen auch pflegen.

Die aufgeregte Reaktion Schmids zeugt eher von einem schlechten Gewissen und Nerven, die blank liegen. Bei Toto-Lotto liege Einiges am Argen, man müsse Umstrukturieren, effizienter arbeiten, es brauche an der Spitze eine durchsetzungsfähige Persönlichkeit. Das ist sehr vage und dient wohl vor allem dazu, den scheidenden Amtsinhaber zu diskreditieren. Das ist nicht nur wenig hilfreich, es zeugt auch nicht von gutem Stil.

Und solche Anwürfe erschweren der Neuen bei Toto-Lotto den Einstieg. Das zeigt sich spätestens, als der Betriebsrat sich in einem offenen Brief an Ministerpräsident Kretschmann wandte – und dabei den Finger in die offene Wunde legte: Die Zukunft des staatlich kontrollierten Glücksspiels ist bis heute nicht endgültig geregelt. Dazu gehört die richtige Balance zwischen den finanziellen Interessen an höheren Einnahmen – also mehr Spieleinsätzen – und dem gesellschaftspolitisch verlangten Zurückdrängen des Glücksspiels. In diesem unsicheren Umfeld ist es für das Unternehmen schwer, seine künftige Rolle und damit sein Geschäftsfeld zu definieren. Dahinter steht aber weniger ein Versäumnis des Unternehmens als eines der Politik.