Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

21. April 2017

Tagesspiegel

Konflikt um Doppelpass ist für Wahlkampf ungeeignet

Zu Beantwortung der schwierigen Frage zur doppelten Staatsbürgerschaft braucht es Fingerspitzengefühl. Allein deshalb eignet sich das Thema nicht für den Wahlkampf - eigentlich.

Der Doppelpass gehört eigentlich nicht zu den drängenden Problemen dieses Landes. Doch das Wahlverhalten der in Deutschland lebenden Türken, die beim Verfassungsreferendum mit 63 Prozent Erdogans antidemokratische Pläne unterstützt haben, hat das Thema wieder hochkochen lassen. Die einen sehen in der Abstimmung ein Zeichen verfehlter Integration und verweisen auf deutsche Versäumnisse. Für die anderen ist es ein Beleg dafür, dass nicht zusammenwachsen kann, was nicht zusammengehört. Die AfD wird im Wahlkampf die Abschaffung des Doppelpasses fordern – und damit vor allem die CDU in die Enge treiben wollen. Aber bei den Christdemokraten gibt es auch ohne Zutun der AfD Zweifel am Doppelpass. Nun versucht sich die Partei an einem Kompromiss mit dem Ziel, dass die deutsche Staatsbürgerschaft nicht beliebig oft an die Kinder "vererbt" werden kann. In der Tat haben vor allem viele Türken der dritten Generation ein Identitätsproblem. In Deutschland gelten sie als Türken, in der Türkei als Deutsche. Die große Frage ist: Erleichtert die doppelte Staatsbürgerschaft das Zugehörigkeitsgefühl zu Deutschland oder zementiert sie die nationale und kulturelle Ambivalenz? Eine schwierige Frage, zu deren Beantwortung es Fingerspitzengefühl braucht. Allein deshalb eignet sich das Thema nicht für den Wahlkampf. Aber das wird wohl nicht zu verhindern sein.

Werbung

Autor: Karl-Heinz Fesenmeier