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04. Dezember 2014

Tagesspiegel

Rheintalbahn: Bedenkliche Ignoranz

Die Gründung des Projektbeirates zum Ausbau der Rheintalbahn war ein Zeichen der Hoffnung, ein Signal an die Bürger, dass man sie ernst nimmt mit ihren begründeten Sorgen. Schließlich ist es keine Kleinigkeit, wenn alle drei Minuten ein Güterzug am Schlafzimmerfenster vorbeidröhnt. Die Menschen, die von diesem Lärm betroffen sind, sollten endlich eine Stimme haben, eine vernehmbare. Zumal sich hier Menschen mit konstruktiven Ideen zu Wort meldeten. Nach und nach aber hat sich das idealisierte Bild eingetrübt. Das liegt in erster Linie an der Bahn – und für sie vor allem muss es eigentlich ein Alarmzeichen sein. Sie ist dabei, den Goodwill zu verspielen, der ihr entgegengebracht wurde. Es verfestigt sich der Eindruck, dass dem Schienenkonzern ein Konzept fehlt. Ein Tunnel für die Menschen? Geht nicht. Eine Tunnel für Vögel? Zwingend erforderlich. An einer Stelle sind Brücken als Überführungen nötig, 30 Kilometer weiter im Süden unnötig. Erschwerend kommt hinzu, dass der Konzern durch seine Aufteilung ein noch schwierigerer Verhandlungspartner geworden ist, weil mehr auf interne Kompetenzen und Zuständigkeiten geachtet wird, denn auf einvernehmliche Lösungen. Das verheißt wenig Gutes für die kommenden Jahre. Für die Bahn nicht, die im Wettbewerb mit der Straße den Anschluss verliert. Für die Region nicht, weil die Macht der Verhältnisse bald dazu führen könnte, dass Fakten geschaffen werden, sobald der Protest erlahmt.

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Autor: Franz Schmider