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25. Januar 2010

Ausstiegshilfen für Taliban

Tagesspiegel: Der falsche Zeitpunkt

Die Idee klingt plausibel: Außenminister Westerwelle möchte Talibankämpfern unter die Arme greifen, die den Angriffen gegen westliche Truppen entsagen wollen. Er geht davon aus, dass viele Männer sich nur den islamistischen Taliban angeschlossen haben, weil sich ihnen sonst keine andere Perspektive im verarmten Afghanistan bietet. Damit hat er sicherlich Recht. Tatsächlich gibt es auch ein Beispiel dafür, dass ein solches Aussteigerprogramm für Terroristen funktionieren kann. Die algerische Regierung holte viele Islamisten, die das Land in den 90er Jahren terrorisiert hatten, mit einem Aussöhnungsangebot zurück in die Gesellschaft. Die Lage in Afghanistan stellt sich allerdings deutlich anders dar als in Algerien. Das algerische Militär hatte die Terroristen bereits in die Berge abgedrängt, als die Regierung die Offerte machte. Die Mehrheit der Algerier hatte sich zudem angewidert von den Terroristen abgewandt. In Afghanistan dagegen gibt es Regionen, in denen die Taliban allgegenwärtig sind. Wie soll dort ein Aussteigerprogramm funktionieren? Jeder Kämpfer, der sich von wirtschaftlichen Versprechen locken ließe, müsste damit rechnen, getötet zu werden. Ein solches Programm kann – wie das Beispiel Algerien zeigt – nur funktionieren, wenn Sicherheitskräfte die Kontrolle weitgehend wiedererlangt haben. Solange dies in Afghanistan nicht der Fall ist, ist es eine Illusion zu glauben, ein Aussteigerprogramm könne dem Terrorismus Einhalt gebieten.

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Autor: Annemarie Rösch