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04. Februar 2012
Weltmacht China an ihren Grenzen
Bitte, rechnen Sie uns doch nicht täglich unseren Rückstand vor
Zu: "Die überforderte Weltmacht", Beitrag von Bernhard Bartsch (Magazin, 21. Januar):
Ich bin eine chinesische Studentin, 22 Jahre alt, zurzeit in Deutschland zu Besuch und habe den Artikel "Die überforderte Weltmacht" gelesen. Er hat mich traurig gemacht. Was der Artikel berichtet, ist sicher richtig. Aber er informiert nur über Schlechtes.
China ist anders als in dem Artikel beschrieben. Wie ich weiß, lesen die meisten Europäer jeden Tag Zeitung, weil sie wissen möchten, was in der Welt passiert. Für viele ist die Zeitung der einzige Informationsträger, umso wichtiger ist, dass nicht nur von den noch vorhandenen Problemen berichtet wird, sondern auch von dem, was schon geleistet ist. Ja, China muss noch viel tun, um für das ganze Volk gute Verhältnisse zu schaffen. Aber bitte geben Sie uns Zeit und rechnen Sie uns nicht täglich unseren Rückstand vor.
Ich selbst bin vom Land, wir sind nicht so verwöhnt wie die Städter, und doch glauben wir einfachen Leute an die Zukunft Chinas. Meine Mutter erzählt mir immer wieder, dass für meinen zehn Jahre älteren Bruder in der Kindheit nicht genug Milch, geschweige denn Obst da war und er krank wurde. Für mich dagegen gab es nie Mangel.
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Noch in meiner Kindheit war eine Reise in die Stadt eine Expedition, jetzt reisen wir zum Vergnügen, auch wenn es immer noch nicht so bequem ist wie in Deutschland. Aber ist es historisch gedacht, ist es gerecht geurteilt, wenn man immerzu alles an Deutschland und am Westen misst? Eine solche Denkweise ist für Chinesen nicht glaubwürdig.
Autor: Ye Meiling aus Ningbo, China, z. Zt. Lahr
