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17. Juli 2017

Hauptschule

Das Handwerk hat goldenen Boden

Zu: "Diskriminierte Hauptschule", Tagesspiegel von Wulf Rüskamp (Politik, 5. Juli):

Der Beitrag von Wulf Rüskamp trifft den Nagel auf den Kopf. In Anbetracht der allgemein bekannten Tatsache, dass mittlerweile bereits etwa 50 Prozent aller Schüler das Gymnasium besuchen und nicht zuletzt auch der oft besseren Verdienstmöglichkeiten wegen das Abitur anstreben, muss sich ein Hauptschüler zwangsläufig als Schüler zweiter Wahl vorkommen.

Es ist und bleibt Tatsache: Die Hauptschule wird bereits seit vielen Jahren diskriminiert. Daran führt kein Weg vorbei. Allerdings hätte jeder nur halbwegs intelligente Mensch diese Entwicklung längst vorhersehen müssen. Gab es diesbezüglich je eine Art Gegensteuerung? Fehlanzeige auf der ganzen Linie!

Es ist ja bekanntlich längst Fakt, dass das Handwerk, das seinen Nachwuchs bislang hauptsächlich aus dem Bereich der Hauptschulabgänger rekrutierte, seit Jahren sowohl unter mangelndem beruflichem Interesse als auch mangelnder gesellschaftlicher Reputation leidet – und dies, obwohl die moderne und immer anspruchsvoller werdende Technik längst auch dort Einzug gehalten hat und es deshalb hochqualifizierter und intelligenter Arbeitskräfte bedarf. Was nützt es der Gesellschaft, wenn sie, wie gegenwärtig praktiziert, ein mehr und mehr zunehmendes "akademisches Proletariat" schafft – und dies auf Dauer weit am Bedarf vorbei? Man kann diese Fehlentwicklung getrost mit den Abläufen in der Wirtschaft/Landwirtschaft vergleichen. Je mehr Güter, je mehr Früchte oder Gemüse produziert werden, desto preisgünstiger werden sie angeboten. Die Zahl der Abiturienten pro Jahrgang ist nichts mehr als ein Spiegelbild dieser Entwicklung. Je mehr junge Menschen in die Lage versetzt werden, die allgemeine Hochschulreife auch ohne den dafür eigentlich dringend notwendigen Erwerb der entsprechenden Kompetenzen – diese stattdessen jedoch durch ständiges Absenken der Anforderungen – zu erlangen, desto weniger ist sie wert.

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Wie heißt es doch so treffend zeitlos in der Bibel: "Viele sind berufen, aber nur wenige sind auserwählt". Vielleicht werden sich die alljährlich zuhauf die Universität verlassenden und allzu oft sogar weniger als Mittelmaß bietenden, allerdings im Gegensatz dazu von den eigenen Fähigkeiten umso überzeugteren Jungakademiker bald wundern, wenn sie künftig bei handwerklichen Dienstleistungen plötzlich so tief in die Tasche greifen müssen, dass es sogar, trotz scheinbar besserer Entlohnung als bei einem erfolgreichen Hauptschulabgänger der Fall, deren finanzielle Ressourcen übersteigt. Und spätestens dann dürfte sich das schon altbekannte Sprichwort "Handwerk hat goldenen Boden" schlussendlich auch bewahrheiten. Klaus Rißler, Gundelfingen

Autor: Klaus Rißler, Gundelfingen