HonorarModelle der Kassenärztlichen Vereinigung

Der Landarzt mit Einzelpraxis wird nur bestraft

Werner Müller, Landarzt, Kleines Wiesental

Von Werner Müller, Landarzt & Kleines Wiesental

Mi, 24. März 2010

Leserbriefe

Wenn Gisela Dahl als Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württembergs (KVBW) sich Sorgen um die Zukunft der Landärzte macht, ist das schlichtweg die Unwahrheit. Für die KVBW sind Einzelpraxen, besonders auf dem Dorf, ein "Auslaufmodell". Ein Beispiel: Aufgrund der Tatsache, dass ich Landarzt mit Einzelpraxis bin, behält die KVBW jedes Quartal zehn Prozent meines Honorars ein. Dieses Geld fließt in die Förderung von Groß- und Gemeinschaftspraxen sowie Medizinische Versorgungszentren im städtischen Bereich. Das ist nach Auffassung der KV die Zukunft; was mit der Versorgung der ländlichen Bevölkerung passiert, ist wurscht. Wer Landarzt mit Einzelpraxis ist, wird bestraft.

Weiteres Beispiel: Die KV hat es bei den Verhandlungen mit den Kassen und der Politik geschafft, dass das Honorar der baden-württembergischen Ärzte auf weitere fünf Prozent gekürzt wurde. Das Geld fließt in die neuen Länder. An sich sinnvoll, aber bitte mit neuem Geld und nicht in Form einer Zwangsabgabe! Mithin muss ich Einkommensverluste von 15 Prozent in Form von Zwangsabgaben schultern – keiner hat mich gefragt. Dies ist existenzbedrohend. Die Ausführung von Frau Dahl, man solle attraktive Schulen für die Landarztkinder schaffen und das Freizeitangebot für Landärzte verbessern, ist lächerlich und hilflos. Die Freizeit eines Landarztes ist eh knapp und wir arbeiten, um unsere Patienten zu versorgen und nicht um Freizeit zu machen.

Und zur "schlechten Infrastruktur auf dem Lande" (Zitat Frau Dahl): Wer 500 Routinebesuche im Jahr fährt (3000 Kilometer), die von der KVBW nicht mehr bezahlt werden, dem macht’s auch nichts aus, mal 15 Kilometer zu fahren, um einzukaufen oder zu tanken. Man stelle sich vor, eine Regierung kürzte die Rente um 15 Prozent.! Das wäre ein politischer Selbstmord und es würde ein Schrei durch die Republik gehen. Doch was macht die KVBW? Nichts!