Obdachlosigkeit

Menschen ohne Wohnsitz haben es jetzt besonders schwer

Jacqueline Dinser

Von Jacqueline Dinser

Do, 10. Januar 2019 um 19:31 Uhr

Bad Krozingen

Wohin im Winter ohne Wohnung? Die Gemeinden müssen Notunterkünfte für Wohnungs- und Obdachlose zur Verfügung stellen. Die BZ beleuchtet die Lage am Beispiel Südlicher Breisgau.

Der Wintereinbruch mit Graupel, Schneeregen und Temperaturen um und teils auch unter dem Gefrierpunkt wirft viele Fragen auf. Schneeräumen und Winterreifen aufziehen sind Fragen, die man vergleichsweise einfach beantworten kann. Doch was ist mit Menschen, die auf der Straße leben? Obdachlosigkeit wird oft als Problem der Großstädte abgetan, doch gibt sie auch hier in den Gemeinden im Südlichen Breisgau? Die BZ hat nachgefragt, in welchem Ausmaß es hier in der Region Wohnsitzlose gibt und wie Gemeinden damit umgehen.

Es ist kein Geheimnis, dass sich Obdachlose an bestimmten Stellen in Bad Krozingen zusammenfinden, denkt zumindest der Laie. Typische Obdachlose seien das aber nicht, sagt Peter Schäfer. Er ist der Fachbereichsleiter des Ordnungsamts in Bad Krozingen. "Bei den Menschen, die in Bad Krozingen als vermeintlich obdachlos wahrgenommen werden, weil sie sich tagsüber im Park aufhalten, handelt es sich nicht um Obdachlose." Durch Personenkontrollen der Polizei seien dem Ordnungsamt die Identitäten der Menschen bekannt. "Sie alle haben eine feste Wohnanschrift und übernachten nicht draußen", sagt Schäfer.

Unterscheidung zwischen obdachlosen und wohnungslosen Menschen

Entscheidend sei deshalb die Unterscheidung zwischen obdachlosen und wohnungslosen Menschen, da es hier oft zu Verwechslungen oder gar Gleichsetzung der Begriffe kommt. Als obdachlos gelten Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben und deshalb auf der Straße schlafen müssen. Sie haben also keinen festen Wohnsitz und keine Unterkunft. Wohnungslose Menschen hingegen verfügen zwar über keine Wohnung mit regulärem Mietvertrag, sind jedoch in Notunterkünften untergebracht, klärt Schäfer auf.

Auch wenn die Zahl der Obdachlosen in Bad Krozingen nicht sonderlich groß sei, sei es nicht so, dass Obdachlosigkeit kein Problem darstelle. "Unsere Aufgabe ist es deshalb zu verhindern, dass Menschen ihre Wohnung überhaupt erst verlieren", so Schäfer. Am Ende müsse der Betroffene die Hilfe jedoch auch von sich aus wollen. Ansonsten sei Hilfe schwierig. Es gebe aber ein Netz, um Betroffene, die Unterstützung benötigen, aufzufangen, sagt Schäfer. "In der Praxis sieht das dann so aus, dass wir zuerst herauskriegen müssen, ob der Betroffene neben einem Dach über dem Kopf auch ärztliche Unterstützung benötigt."

Psychologische Hilfe sei dabei auch möglich. Es werde die Hilfe geboten, die der Betroffene benötigt und zulässt, so Schäfer. In der Flüchtlingsunterkunft in der Schwimmbadstraße in Bad Krozingen werden deshalb fünf Zimmer als Notunterkünfte für Wohnungs- und Obdachlose freigehalten. Anspruch auf einen Platz in den Doppelzimmern haben dabei nicht nur Betroffene, deren Wohnung zwangsgeräumt werden musste, sondern auch Menschen, die sich in einer Gefahrensituation befinden. Die Spannweite reicht von häuslicher Gewalt bis zu einem Wohnungsbrand.

Im Notfall werden auch Pensionszimmer angemietet

Rechtlich seien die Kommunen dazu verpflichtet, Obdach- und Wohnungslosen Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. "Reichen die Plätze im Flüchtlingsheim nicht aus, dann stellen wir den Betroffenen Unterkünfte in Hotels oder Pensionen zur Verfügung. Momentan haben wir aber genug Plätze", sagt Schäfer.

Für die Unterbringung in den Notunterkünften erheben die Gemeinden eine Gebühr. Die Kosten für die Zuweisung einer Person betragen in Bad Krozingen laut Satzung 530 Euro für eine Person. Dazu kommen 34 Euro Nebenkosten pro Person und Monat. Bei mehreren Familienmitgliedern, die gemeinsam untergebracht werden müssen, sinkt der Betrag pro Person. Können Betroffene die Kosten nicht aus eigener Tasche bezahlen, so werden sie vom Jobcenter in Freiburg getragen, sagt Schäfer.

Trotz aller Bemühungen könne es dennoch auch in Bad Krozingen sein, dass es Obdachlose gibt, die nicht erfasst werden, so Schäfer. Das sei jedoch kein Fehler im System: "Wer nicht wegen finanzieller oder gesundheitlicher Probleme um Hilfe fragt oder von der Polizei bei uns als hilfsbedürftig gemeldet wird, dem können wir nicht helfen." Deshalb ist es laut Schäfer vorstellbar, dass Menschen freiwillig auf der Straße übernachten, weil sie nicht in eine Notunterkunft möchten.

Auch in den umliegenden Gemeinden gibt es ähnliche Hilfsangebote für Obdach- und Wohnungslose. In Hartheim am Rhein sei das Problem nicht akut, so Heinrich Waldmann vom Hauptamt.

Dasselbe gilt für Staufen, so das Ordnungsamt. Der Kälte wegen gebe es aber gerade im Winter die Option, dass die Polizei, stößt sie auf Menschen, die unfreiwillig obdachlos sind, diese in ein von der Stadt zur Verfügung gestelltes Zimmer bringt. Das Ganze funktioniert dann völlig unbürokratisch, sodass Menschen auch am Wochenende in akuten Fällen geholfen werden könne. Viel problematischer als die Verhinderung von Obdachlosigkeit sei die Vermittlung von Wohnungen nach dem Aufenthalt in Notunterkünften, so das Ordnungsamt Staufen.

Laut Christoph Blattmann, dem Leiter des Hauptamts in Münstertal, seien neun Personen in den Notunterkünften in Münstertal untergebracht, um nicht unter freiem Himmel schlafen zu müssen. Einige von ihnen wohnen hier bereits Jahre, so Blattmann. Die Wohnungsknappheit erschwert ihnen aber den Sprung in die eigene Wohnung.