Gemeinde bürgt für die Kosten

Mario Schöneberg

Von Mario Schöneberg

Do, 29. Juni 2017

Merdingen

Merdinger Rat diskutiert kontrovers über neues Sportzentrum.

MERDINGEN. Die Gemeinde Merdingen will den Bau des neuen Sportzentrums im Bereich Kleinsteinen unterstützen. Dies hat der Gemeinderat mehrheitlich nach langer Diskussion und einem abgelehnten Antrag auf Vertagung am Dienstagabend beschlossen. Die Gemeinde bürgt für die Kosten, verlängert die Pachtverträge und gewährt einen Zuschuss von 30 Prozent der Baukosten, maximal 210 000 Euro. Damit bleibt sie unter der von den Vereinen beantragten Zuschuss-Höhe.

Vor rund einem Jahr war die Idee eines gemeinsamen Sportzentrums im Bereich Kleinsteinen im Gemeinderat vorgestellt worden. Dort, wo der ASV Merdingen derzeit sein Fußballstadion und der Hockey-Club (HC) seine Halle hat, wollen beide Vereine gemeinsam mit dem Turnverein (TV) ein modernes Sportzentrum errichten – auch für Jugendliche und die Grundschüler. Unter anderem sollen ein Kunstrasenplatz, Leichtathletikflächen, ein Bolzplatz, ein Beachvolleyballfeld, ein Bouleplatz sowie Sanitär- und Umkleideräume für den Hockey-Club entstehen.

TV-Vorsitzender Matthias Manthee und ASV-Jugendleiter Mario Zimmer erläuterten die überarbeitete Konzeption anhand einer Präsentation. So werde das Projekt von einer Arbeitsgruppe weiterentwickelt. Die Federführung beim Bau, der in den Jahren 2018/19 erfolgen soll, obliege dem ASV. Dies sei das Ergebnis ausgiebiger Beratungen mit einem Rechtsanwalt und dem Badischen Sportbund, erläuterte Manthee. Die Zusammenarbeit der Vereine untereinander und mit der Schule solle intensiviert werden. Die Kostenaufteilung und die Pflichten für Pflege und Unterhalt der Anlagen würden vertraglich geregelt. Finanziert werden soll das Vorhaben, das rund 700 000 Euro kosten soll, durch die Zuschüsse der Gemeinde und des Badischen Sportbundes sowie durch Eigenleistungen, Sponsorengelder, Einnahmen durch Veranstaltungen, Vermietungen und eine Kreditaufnahme der Vereine. Bei der Gemeinde beantragten die Verantwortlichen einen Zuschuss in Höhe von 33 Prozent, weitere zehn Prozent sollen auf die Schule entfallen. Zudem wünschten sich die Vereine eine Verlängerung der Pachtverträge bis 2050 und die Übernahme einer Bürgschaft für die Kosten, um das Projekt mit einem günstigen Zinssatz finanzieren zu können.

Im Gemeinderat gab es reichlich Nachfragen. Mario Zimmer sagte, dass die überwiegende Zahl der Vereinsmitglieder das Projekt unterstütze. Es gehe immerhin um mehr als 200 Mitglieder im HC, rund 500 beim ASV und knapp 1000 beim TV, so HC-Vorsitzender Ralf Baldinger. Zudem verwies er darauf, dass rund die Hälfte des zweiten Rasenplatzes frei würde und der Gemeinde wieder als Gewerbefläche zur Verfügung stünde.

Heftige Kritik an der Präsentation übte Wilma Landmann (FBL), die in der früheren Konzeption mehr Synergien sah. Sie empfand das Konzept als zu schwammig und bezweifelte, dass die Pflege der Anlage funktionieren wird – auch, weil die vorhandenen Leichtathletikanlagen in einem desolaten Zustand seien. Zudem vermisse sie eine schon vorhandene Leichtathletik-Gruppe, meinte der Weg für die Schule sei zu weit und fragte, wer den Boule-Platz später nutzen soll. Sie sei nicht bereit, den Zuschuss in gewünschter Höhe zur Verfügung zu stellen.

Man halte das Konzept für konkret und die Kosten seriös ermittelt, entgegnete Mario Zimmer. Manthee erklärte, eine Leichtathletik-Gruppe mache erst Sinn, wenn es die Anlagen dafür gebe. Beim Volleyball stünden die Interessenten Schlange und die Idee für den Boule-Platz sei aus dem Dorf gekommen, um den Senioren etwas zu bieten.

Die weitere Diskussion drehte sich um Parkplätze, die Kosten für den Unterhalt und den Zuschuss der Gemeinde. Bürgermeister Martin Rupp erläuterte, dass die beantragte Beteiligung von rund 43 Prozent für Schule und Gemeinde auch für ihn zu hoch sei. Meist werde nur ein Zuschuss von bis zu 25 Prozent gewährt, zumal die Vereine durch die Bürgschaft der Gemeinde eine höhere Kreditaufnahme verkraften könnten. Ansonsten glaube er, dass das Konzept so funktionieren könne. Rupp schlug daher vor, den üblichen Gemeindebeitrag durch die Beteiligung der Schule am Projekt auf 30 Prozent zu erhöhen, was Landmann noch immer zu viel war.

Oswald Prucker (SPD) sagte, er stehe dem Konzept positiv gegenüber. Man müsse an den Sportanlagen etwas machen, um die Vereine lebensfähig zu halten. Er glaube, dass der Unterhalt funktioniere. Er wünschte sich aber, die Finanzierung genauer zu diskutieren.

Für eine Vertagung stimmten am Ende fünf Räte, sieben waren dagegen. Die Abstimmung über den Vorschlag des Bürgermeisters, den 30-prozentigen Zuschuss und die Übernahme der Bürgschaft, befürworteten neun Räte. Die drei Gegenstimmen kamen von der FBL. Deren viertes Mitglied, Steffen Baldinger, hatte sich vor der Diskussion für befangen erklärt.

HC-Vorsitzender Ralf Baldinger sagte am Tag nach der Sitzung, dass die Vereinsvorstände mit dem Beschluss leben könnten.