Mit flexiblem und geschmeidigem Klang von Barock bis Pop

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 11. September 2018

Klassik

Die Landesjugendkantorei Baden spannte bei ihrem erstmaligen Konzert in der Stadtkirche Schopfheim einen weiten Bogen über geistliche und weltliche Chorliteratur.

Von Barock bis Pop reichte der Bogen an Vokalmusik, den die Landesjugendkantorei Baden bei ihrem erstmaligen Konzert in der Evangelischen Stadtkirche Schopfheim spannte. Die jugendlichen Sängerinnen und Sänger im Alter von 16 bis 22 Jahren bewegten sich mit wunderbar flexiblem und geschmeidigem Chorklang durch diese geistliche und weltliche Literatur aus mehreren Jahrhunderten.

Der hohe Qualitätsanspruch, den dieser Auswahlchor an seine Mitwirkenden stellt, wurde in jedem Moment dieses A-Cappella-Konzerts deutlich. Die Landesjugendkantorei setzt sich aus rund 40 Kirchenmusik- und Schulmusikstudenten, aber auch Schülerinnen und Schülern zusammen, die in Jugendchören singen und entweder von den dortigen Chorleitern empfohlen werden oder sich selbst bewerben. Auch Gesangstalente aus Rheinfelden, Wehr und Wiesental sind in die Jugendkantorei aufgenommen worden, die drei Projekte pro Jahr erarbeitet. Der "Hochleistungsjugendchor", wie ihn Kirchenmusikdirektor Christoph Bogon als Gastgeber bezeichnete, wird abwechselnd von Anne Langenbach, Bärbel Tschochochei und Kirchenmusikdirektor Achim Plagge geleitet.

Zum Auftakt erklang die Motette "Factum est silentium" des Renaissancekomponisten Richard Dering. Lupenrein in der Deklamation, transparent in der Durchzeichnung der Stimmen, dynamisch in feinsten Nuancierungen sang die Landesjugendkantorei diese frühe Motette. Auch in "Nunc dimittis" von Henry Purcell beeindruckte die Klarheit und Durchsichtigkeit im Chorklang. Die Gedichtvertonung "My Soul" von Hubert Parry, einem Wegbereiter der englischen Chormusik des 20. Jahrhunderts, war klangschön und subtil gesungen. Eindringlich klang die Trauermotette "Wie liegt die Stadt so wüst" von Rudolf Mauersberger, die unter dem Eindruck der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg entstanden ist.

In einem Arrangement von "Mary did you know" ragte die dunkelsamtene Stimme von Solist Jonas Münch hervor. Mit ruhig schwebenden Stimmen entfaltete der Chor in "September" des schwedischen Komponisten Wilhelm Stenhammar spätromantische warme Farben und herbstliche Stimmung. Auch in Popsongs wie "You‘ve got a Friend" erfreute der geschmeidigeGesamtklang.

Die jungen Sängerinnen und Sänger haben auch Schwung und Humor zu bieten: Die Männer sangen ein Arrangement von Grönemeyers "Mambo" in einer witzigen Choreografie, in der die Suche nach einem Parkplatz auch szenisch effektvoll inszeniert wurde. Die Frauen revanchierten sich mit dem hinreißend gesungenen Ohrwurm "Sweet Dreams".

Zwischen den Chorauftritten improvisierte Christoph Bogon an der Orgel, inspiriert von Stimmungen und Themen aus dem Konzert. So spielte er eine eindrückliche Meditation "Ruf aus der Wüste" sowie eine virtuose Improvisation, angeregt von der Melodie "You‘ ve got a friend". Unter den modernen Chorstücken fiel "Words" von Anders Edenroth auf. Strahlende klare Stimmen und nuanciert gestaltete Crescendi machten diesen Auftritt der Landesjugendkantorei zu einem Hörgenuss.