Mozarts Dies Irae im Tangorhythmus

Walter Haug

Von Walter Haug

Do, 07. Januar 2016

Ettenheim

Das Trio Neuklang hat für das Neujahrskonzert der Musikfreunde Ettenheim in der klassischen Literatur versteckte Preziosen entdeckt.

ETTENHEIM. Das "Trio Neuklang" hat für das Neujahrskonzert der Musikfreunde Ettenheim das Programm unter die Überschrift "Goodbye Astor – Der letzte Tango von Mozart" gesetzt. Klassische Musik im Tangorhythmus ist also Thema gewesen. Helmut Salomon hat im Namen der Musikfreunde am Sonntag das Neujahrskonzert im fast ausverkauften Bürgersaal des Rathauses eröffnet.

Die Mitglieder des Ensembles stellten sich zu Beginn vor: Arthur Hornig (Violoncello), Jan Jachmann (Akkordeon), Nikolaj Abramson (Klarinette). Die drei Künstler des Trios aus Berlin hatten in der Musikliteratur von Vivaldi bis Schostakowitsch geforscht, um versteckte Tangomelodien und -rhythmen aufzustöbern, sie selbst zu arrangieren und dabei auch ein wenig nachzuhelfen, damit daraus ein richtiger Tango wird. Das Ergebnis ihrer Studien wurde am Sonntag vor dem gespannten Publikum zu Gehör gebracht.

Zu Beginn hörte man die typischen Streicherpassagen Bachscher Konzerte. Das Cello diente zunächst als Schlagzeug und bestimmte gezupft und geklopft den Tangotakt. Klarinette und Akkordeon trugen abwechseln Melodien vor, mal dominant, mal begleitend. Aber auch der Cellist spielte melodisch seinen Part. Schon in den ersten Takten zeigten die Musiker sich als großartige Virtuosen. Jeder beherrschte sein Instrument perfekt.

Zu hören war zu Beginn ein echtes Neujahrsfeuerwerk Bachscher Kunst. Ein Rätsel war, welche Kompositionen die Künstler ausgewählt hatten. Das Publikum sollte wie im Quiz die Titel erkennen. Keine leichte Aufgabe. Aus dem Notenbüchlein der Magdalena Bach waren es das Menuett, Toccata und Fuge in d-Moll und weitere Stücke. . Antonio Vivaldi erstrahlte mit Motiven seiner Violinkonzerte. Jetzt konnte der Cellist mit seiner atemberaubenden Virtuosität die Zuhörer staunen lassen. Danach folgte Sergej Rachmaninows "Letztes Lied". Es war bezaubernd schön, so richtig zum Träumen. Ganz leise verklang es als ein sehr romantischer Tango. Johannes Brahms’ Ungarische Tänze waren deutlich zu hören. Einen Höhepunkt vor der Pause bildete die Jazz Suite von Dimitri Schostakowitsch. Klopfend und zupfend präsentierte Arthur Hornig den typischen Stil des Komponisten auf dem Cello.

Das Programm nach der Pause hatte einen ernsteren Charakter. Das war keine übermütige Feuerwerksmusik mehr. Zum Jahreswechsel sind auch besinnliche Inhalte angemessen. Das berühmte Eingangsmotiv der Sinfonie Nr. 5 in c-Moll von Ludwig van Beethoven leitete den nächsten Tango ein. Als Kontrapunkt wurde eine heitere Komposition von Gioachino Rossini dazu gestellt, die Ouvertüre zu "Der Barbier von Sevilla". Ernst war danach der "Letzte Tango von Mozart". Aus seinem unvollendeten Werk, dem "Requiem", wurden der Introitus, das "Dies Irae" und das "Lacrimosa" bearbeitet. Das Finale bildete eine Komposition von Modest Mussorgski. Technisch war es vielleicht das schwierigste Stück. Der Cellist musste in schneller Folge streichen und pizzicato spielen. Die Künstler stellten dar, was Mussorgski während einer "Nacht auf dem kahlen Berg" erlebt hatte: nämlich einen Hexensabbat. Das Publikum spendete begeisterten, lang anhaltenden Applaus für diese hervorragende Leistung. Das Trio Neuklang bedankte sich mit einer interessanten Zugabe. Der Cellist zeigte, wie man mit Klopfen und Zupfen die Klarinette und das Akkordeon begleiten kann.