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28. Juni 2016

"Es fängt mit dem Saatgut an"

Der Filmemacher Helmut Kirchner hat zehn Betriebe, die biodynamische Landwirtschaft in der Region betreiben, porträtiert.

  1. Was zeichnet die Produkte der biodynamischen Landwirtschaft aus? Der Filmemacher Helmut Kirchner hat hinter die Kulissen von Demeter-Betrieben in der Region geschaut. Foto: Silvia Faller

MARKGRÄFLERLAND. Landwirtschaft prägt die Landschaft am südlichen Oberrhein. Das wird deutlich, wenn Helmut Kirchner die Kamera über die Rheinebene schweben lässt. Felder so weit das Auge reicht. In seinem Film "Demeterhöfe im Porträt" stellt der Filmemacher aus Lahr zehn Betriebe aus der Region vor, die ihre Flächen nach den Regeln der biodynamischen Landwirtschaft bewirtschaften. Landwirte erzählen mit Leidenschaft von ihrem Ansatz, der auf Nachhaltigkeit setzt, statt auf Masse.

Das gilt auch für den Weinbau. Wolfgang Zähringer führt die Zuschauer in seinen Keller in Heitersheim, wo neben einigen Burgundersorten auch ein Urmarkgräfler Gewächs heranreift: der Gutedel. "Wir wollen nicht die Muskelprotze, sondern filigrane Weine mit Charakter", erläutert der Winzer, der seinen Betrieb seit 1987 nach den Lehren Rudolf Steiners führt, was für ihn den Unterschied der biodynamischen Landwirtschaft gegenüber konventionellen Methoden auszeichnet.

Charakter, Authentizität und Nachhaltigkeit, sind Begriffe, die in dem 35 Minuten langen Imagefilm für die Demeterbetriebe in der Region immer wieder auftauchen. Dass es sich dabei nicht nur um Schlagworte einer Bewegung handelt, sondern um gelebte Werte, zeigen die Einblicke, die der Film in Keller, Ställe und Plantagen gewährt. Gezeigt werden Menschen, die sich dafür interessieren, Mensch, Tier und Natur gerecht zu werden – ohne dabei die Anforderungen an einen modernen Betrieb aus den Augen zu verlieren.

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Dass sich das eine und das andere nicht ausschließen, sondern geradezu ergänzen, greift bei der Filmpremiere in der Müllheimer Mediathek auch Martin Ott auf. Der Schweizer Demeter-Pionier, Landwirt und Buchautor spricht im proppenvollen Saal über die Zukunft der Landwirtschaft. Und das Bild, das er malt, ist ernüchternd. Rund um den Globus werde konventionelle Landwirtschaft nach dem selben Schema betrieben: Das gleiche Saatgut, die gleiche Flächenbewirtschaftung – alles ist auf maximale Ausbeute, auf maximalen Gewinn getrimmt. Die Besonderheiten des einzelnen Standorts fallen da nicht ins Gewicht. Dabei komme es gerade auf die an, betont Ott.

Hier knüpft auch der Film an. Gezeigt wird die Kulturlandschaft der Region, Obstbäume in voller Blüte, Spargelfelder, Reben. Beherzt greifen Bauern in die lockere, nährstoffreiche Erde. Friedemann Hergarten, der in Müllheim ein Atelier für Präparateherstellung und Tafelkirschanbau betreibt erläutert – auch für Laien verständlich – was es mit der "Kräftewirkung des Lebendigen" auf sich hat.

Es gehe, so Hergarten, der beherzt ein Kuhhorn füllt, darum, die Erde lebendig zu halten. Das klingt nach einem erstrebenswerten Ziel. Wie das im Alltag eines Betriebs mit rund 50 Mitarbeitern umgesetzt wird, zeigt der Blick in die Gärtnerei Piluweri in Müllheim-Hügelheim. "Was bedeutet es, Gemüse mit Charakter anzubauen?", fragt Betriebsleiter Horst Ritter in die Kamera und liefert auch gleich die Antwort mit: "Es fängt beim Saatgut an." Auch die Frage, wie angebaut und geerntet werde, spiele eine Rolle, nicht zuletzt auch die Stimmung im Betrieb. "All diese Facetten prägen das Gemüse mit", ist Ritter überzeugt. Der Film kommentiert nicht, er zeigt was ist, lässt die Menschen zu Wort kommen, die Bilder wirken. Es ist eine Liebeserklärung an eine Landwirtschaft, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben hat ohne dabei dogmatisch zu sein. Dass es dabei letzten Endes um Genuss geht, fängt der Film im Abspann ein: Beim Gartenfest wird geschnippelt und gebraten: Süßkartoffeln, Möhren, Erdbeeren und auch der Wein darf nicht fehlen. Lecker, was da auf den Teller kommt.

Demeterhöfe im Porträt: Am Samstag, 16. Juli, ab 15 Uhr wird der Film in der Gärtnerei Piluweri in Müllheim-Hügelheim erneut gezeigt. Außerdem kann er auf der Webseite des Filmemachers Helmut Kirchner angesehen werden unter: http://www.helmut-kirchner.com

Am Demeter-Film wirken folgende Betriebe mit: Der Klosterhof in Sitzenkirch, das Weingut Zähringer in Heitersheim, das Atelier für Präparateherstellung in Müllheim, das Wein- und Sektgut Harteneck in Schliengen, die Landbauwerkstatt Hof Dinkelberg im Wiesental, der Demeterhof Brenneisen in Sulzburg-Laufen, der Obsthof Kiechle in Mengen und die Gärtnerei Piluweri in Müllheim- Hügelheim.

Biodynamisch

Unter biologisch-dynamischer Landwirtschaft wird Landbau, Viehzucht, Saatgutproduktion und Landschaftspflege nach anthroposophischen Grundsätzen verstanden. Grundlage ist der Landwirtschaftliche Kurs von Rudolf Steiner. Produkte können laut Wikipedia unter der Marke Demeter vertrieben werden.  

Autor: jja

Autor: Julia Jacob